Wiegenlied für eine Leiche Stream Deutsch

Wiegenlied für eine Leiche
Die reiche alte Dame Charlotte Hollis ist in ihrem Wohnort nicht sehr beliebt. Die meisten halten sie für eine Mörderin. Sie soll vor 40 Jahren ihren verheirateten Geliebten John Mayhew brutal getötet haben. Nur die Haushälterin Velma kümmert sich um Charlotte, ansonsten ist das große Anwesen leer und wirkt unheimlich. Unter den Kindern des Dorfes gilt es als Mutprobe, sich hinein zu schleichen. Schließlich soll das Herrenhaus einer Brücke weichen. Charlotte zeigt sich widerspenstig und ruft ihre Cousine Miriam Deering zu Hilfe. Plötzlich hört die alte Dame, wie ihr Lieblingslied auf dem Klavier gespielt wird, das einst ihr Geliebter für sie gesungen hat. "Hush...Hush, Sweet Charlotte", klingt es durch die leeren Gänge, obwohl niemand anderes im Haus ist...

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Kalla Malla
Charlotte Hollis (Bette Davis) verteidigt ihr Elternhaus in Louisiana mit aller Gewalt, denn es soll einer neuen Straße weichen. Das Haus birgt für sie allerdings eher unerfreuliche Erinnerungen. Vor 37 Jahren wurde hier ihr Liebhaber bestialisch ermordet. Da der Mörder nie gefunden wurde, glauben die Mitbürger noch immer, dass sie es selbst getan hat. Charlotte hingegen bildet sich ein, dass ihr John noch lebt. Als Charlottes Cousine Miriam Deering (Olivia de Havilland) zu Besuch kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Erst passieren lauter gespenstische Dinge im Haus, am Ende muss Charlottes treue Haushälterin Velma Cruther (Agnes Moorehead) ihr Leben lassen. Charlotte droht komplett wahnsinnig zu werden... Am Anfang des Films stehen ein schockierender Mord und eine spätere Mutprobe - wird der nette kleine Junge sich trauen, nachts durch das einsame Haus von Charlotte Hollis (Bette Davis) zu schleichen, ohne sich zu Tode zu fürchten? Genau so geht es auch dem Zuschauer. »Wiegenlied für eine Leiche« (»Hush Hush Sweet Charlotte«) aus dem Jahr 1964 ist eine konstante Mutprobe. Wer sich für über zwei Stunden in Charlottes Südstaaten-Anwesen wagt, der sollte starke Nerven haben. Nach seinem Sensationserfolg mit »Was geschah wirklich mit Baby Jane?« bietet Regisseur Robert Aldrich, der nie vor grellen Effekten und deftigen Schocks zurückschreckte (siehe sein Meisterwerk »Rattennest«, eine Sternstunde des Film Noir) hier alles auf, was die Schauerkiste hergibt: abgetrennte Köpfe und Hände, Hacke-Beilchen im Parkett, wehende Vorhänge, unheimliche Stimmen in der Nacht, Kinderlieder, Leichen, die ins Leben zurückkommen und den mörderischen Plan zweier Erbschleicher, welche die arme Charlotte um den Verstand bringen wollen und nicht merken, dass sie selbst die Irren sind. Aldrich spielt mit verschiedensten Zitaten, von »Sunset Boulevard« bis »Endstation Sehnsucht«. Sein Film ist auch ein Abgesang auf den alten Süden aus »Vom Winde verweht«. Die Moderne kommt brutal in Form von Planierraupen und Baggern, die alle Sünden der Vergangenheit zupflastern wollen. »Wiegenlied für eine Leiche« ist ein großartiger Horror-Schocker, nervenzerrend, alptraumhaft, spannend und gleichzeitig mit epischem Atem und feiner Poesie. Dargeboten wird die makabere Geschichte von Schauspielern, die diese Berufsbezeichnung auch verdienen. Ursprünglich als weiteres Vehikel für Bette Davis und Joan Crawford vorgesehen, stieg Crawford kurz nach Beginn der Dreharbeiten wegen Krankheit aus (böse Zungen behaupten, dass sie Bette Davis nicht mehr ertragen konnte, mit der sie seit Jahrzehnten im Dauerclinch lag), und Olivia de Havilland übernahm die Rolle. Ein Glücksgriff, denn sie strahlt nicht nur alle Kultiviertheit und gute Erziehung des alten Südens aus, sie war auch die engelsgleiche Melanie in »Vom Winde verweht«. Bette Davis spielt so intensiv, dass man befürchten muss, sie könne womöglich wirklich den Verstand verlieren. Als schlampige Haushälterin, die auch gern mal die Hausherrin mit einpackt, wenn sie das Haus verlässt, spielt Agnes Moorehead alle an die Wand. Und die zarte Mary Astor, Femme Fatale aus Zeiten des Malteser Falken, hat hier ihren letzten Filmauftritt als trauernde Witwe des zerhackstückten Bruce Dern (der arme Dern wurde nicht nur hier, sondern im selben Jahr auch in Hitchcocks »Marnie« blutig ins Jenseits befördert). So verkörpert das Ensemble unter Führung des risikofreudigen Aldrich auch den Kampf des alten Hollywood gegen das New Hollywood. Ein Kampf, den insbesondere Kameramann Joseph Biroc mit seiner unglaublichen, stimmungsvollen und packenden Schwarzweiß-Fotografie grandios führt. Mit »Wiegenlied für eine Leiche« verbinde ich traumatische Kindheitserlebnisse, nächtliches verbotenes Fernsehen, Schlottern unter der Bettdecke und ausgeprägte Angst vor der Dunkelheit für ca. zwei Wochen, vielleicht auch bis heute. »Wiegenlied« ist ein böses, schwarzes, wundervolles Gänsehaut-Märchen und ein großer Schauspieler-Film.

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