Ein letzter Kuss Stream Deutsch

Ein letzter Kuss
Carlo und Giulia führen eine glückliche Beziehung. Das ändert sich, als Giulia ihrem Freund offenbart, schwanger zu sein. Aus Angst vor den aufkommenden familiären Pflichten flüchtet sich Carlo in ein Abenteuer mit der jungen Schülerin Francesca.

Reviews

Kalla Malla
Nach drei Jahren Beziehung erwartet Giulia (Giovanna Mezzogiorno) ein Kind von Carlo (Stefano Accorsi). Dieser kommt mit dem finalen Schritt des Erwachsenwerdens nicht so recht klar und beginnt einen Flirt mit einer attraktiven 18-jährigen Schülerin. Auch Carlos Freunde Adriano, Alberto und Paolo haben Probleme mit dem weiblichen Geschlecht und versuchen sich deshalb auf einer Abenteuerreise einen freien Kopf zu verschaffen. Das Beziehungschaos wird schließlich durch Giulias Mutter Anna (Stefania Sandrelli) komplettiert, die aus ihrer langweiligen Ehe ausbrechen will und zu einer Freundin zieht. »Ein letzter Kuß« (»L'Ultimo Bacio«) ist ein wundervoller Film über die Liebe, die Ehe und den Wunsch, noch einmal von vorne zu beginnen. Autor und Regisseur Gabriele Muccino erzählt von fünf Männern Mitte 30, die am Scheideweg stehen und sich entscheiden müssen, welches Leben sie zukünftig führen wollen. Es geht ums Erwachsenwerden und Verantwortung. Sind ein selbstbestimmtes Leben und die Ehe miteinander vereinbar? Ist noch Zeit für ein letztes Abenteuer, bevor der »Ernst des Lebens« beginnt? Ist man als Ehemann und Vater für immer an ein spießiges Dasein gefesselt? Interessanterweise orientiert sich Muccino dabei sehr deutlich an zwei großen US-Vorbildern, »Magnolia« (1999) und »American Beauty« (1999). Vom ersten übernimmt er die Montage-Struktur, die Reißschwenks, einen sehr ähnlichen Score, vom zweiten die inhaltlichen Themen (die Ehe als Sackgasse, das Begehren einer Kindfrau) sowie den ein- und ausführenden Voice-Over des männlichen Hauptdarstellers, der gleichzeitig analytische wie ironische Funktionen übernimmt. Dabei wirkt »Ein letzter Kuß« (gottseidank) so unamerikanisch, dass man ihn uneingeschränkt genießen kann. Der Film ist klug, humorvoll, sentimental (aber nie kitschig), dramatisch und ehrlich. Das Ensemble aus jungen und erfahrenen Darstellern schafft es trotz minimaler Charakterisierung lebendige, warmherzige und »echte« Figuren zu erschaffen, mit denen man gerne mitfühlt. Muccino gelingt ein dichtes, in sich stimmiges und dabei doch äußerst humorvolles Beziehungsdrama, in dem er dem Publikum – auf eine durchaus liebevolle Weise – so manchen Spiegel vorhält. Alle acht Personen suchen ihr Glück und ihre Zufriedenheit nicht bei sich selbst, sondern bei ihrem Partner; Wohl und Wehe hängen scheinbar davon ab. Es geht um Abhängigkeiten, Erwartungshaltungen und letztlich naive, eingeübte Verhaltensmuster, denen sich keiner vollständig entziehen kann. Die männlichen Rollen mit ihren größtenteils pubertären Verhaltensweisen sind gut besetzt; vor allem Stefano Accorsi wirkt, als ob es für ihn darum gehe, wie ein kleiner Junge den Traum vom Piloten zu erfüllen. Stefania Sandrelli mimt die Anna zwischen dem Wunsch, wieder geliebt zu werden, und kurzschlüssigen Enttäuschungshandlungen großartig. Und Giovanna Mezzogiorno ist mir als Giulia am nächsten als eine Frau mit durchaus zu realisierenden Wünschen, aber einem eingeschränkten Blick in bezug auf Carlo, den sie mehr gemäß ihrem Wunsch sieht als so, wie er sich wirklich verhält. Leider ist es in Italien nach dem Zusammenbruch der Filmindustrie mittlerweile ähnlich schwer wie hierzulande, einen guten Film zu machen, der nicht einschlägige US-Vorbilder kopiert. Umso schöner, dass »Ein letzter Kuß« einer der ganz großen Kassenerfolge im eigenen Land war. Damit beweist Muccino, dass neben den Hollywood-Blockbustern, die unsere Kinos überschwemmen, das gute Erzählkino nie aussterben wird, solange es so gute Autoren, Regisseure und Darsteller gibt. Uneingeschränkt zu empfehlen und so viel besser als das öde US-Remake, das jüngst in die Kinos kam und so überflüssig ist wie ein Kropf.

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