Dracula Stream Deutsch

Dracula
Ende des 19. Jahrhunderts reist der Makler Renfield im Auftrag des englischen Geschäftsmannes Jonathan Harker nach Transsylvanien. Er soll dort mit Graf Dracula ein Immobiliengeschäft abschließen. Der Graf entpuppt sich als Vampir, kerkert Harker ein und reist an seiner Stelle nach London zurück, wo sein Begehr auf Harkers Geliebte Mina fällt. Doch bevor Dracula sie beißen und zu seiner Sklavin machen kann, schreitet der Vampirjäger Van Helsing ein.

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Bloody Jörg
"Among the rugged peaks that crown down upon the Borgo Pass are found crumbling castles of a bygone age." - mit diesen Worten aus dem Munde von Carla Laemmle, der Nichte des Universal-Gründers Carl Laemmle, wird die Ära des vertonten Universal-Horrorfilms eingeleitet. Sie beginnt mit “Dracula”, der allerersten Verfilmung des einflussreichen Romans von Bram Stoker, dessen Mix aus Liebesroman, Abenteuer und Grusel die Romantik des ausgehenden 19. Jahrhunderts nachhaltig prägte und dafür sorgte, dass die historische Persönlichkeit Vlad III. Draculea (1431 - 1476) bis zum heutigen Tag Film und Literatur unermüdlich zu Geschichten inspiriert, die sich längst von den historischen Tatsachen verabschiedet haben... welche sie ja eigentlich nie in Anspruch genommen haben. So auch nicht Stokers darauf basierende Erfindung, der Vampir Graf Dracula. Dessen Mythos strömt der ersten Verfilmung von Tod Browning (“Freaks”) nun unerbittlich voraus, so dass Universals großer Kassenerfolg von 1931 im Grunde schon obligatorisch zum Klassiker stigmatisiert wird - einfach deshalb, weil diese Urverfilmung Normen bildete, Maßstäbe setzte und Archetypen erschuf. Der Gärungsprozess kommt dem Werk wie dem gleichjährigen “Frankenstein” schon von sich aus zugute, denn Brownings Film zu diffamieren, wäre Blasphemie vor dem Herrn. Um so interessanter ist es, dass “Dracula” zwar immer noch ein guter Wein ist, “Frankenstein” trotz gleichen Jahrgangs aber der bessere, der mit dem vollmundigeren Geschmack. Es gibt bei allem Charme unübersehbare Störfaktoren, die das Bouquet stören. Vieles davon ist den Entstehungsumständen zu entnehmen. Carl Laemmle sah zunächst überhaupt keine Veranlassung, den Stoff zu verfilmen, weil der sich nicht mit der Unterhaltungsschiene vertrage, die Universal eigentlich verfolgte. Als Laemmle das Studio 1929 in die Hände seines Sohnes gab, wurden dann endlich Pläne verfolgt, das Werk doch noch auf die Leinwand zu bringen. Vorgesehen war zunächst, den Roman als etwas zu verfilmen, das man nach den 1970er Jahren einen “Blockbuster” genannt hätte - einen großen Film für die große Masse, der keine Mühen gescheut hätte, die literarische Vorlage mit allen erdenklichen Mitteln werksgetreu umzusetzen. Doch 1931 war das Jahr, in dem die Große Depression um sich schlug. Geldressourcen waren auch bei Universal knapp bemessen, und so wurde es eher ein Projekt im Kleinen. Das schlug sich auch auf die Wahl des Hauptdarstellers nieder. Ursprünglich war der große Lon Chaney erste Wahl von Carl Laemmle Jr., doch verstarb der kurz vor Drehbeginn - ebenso wie Paul Leni im Jahr 1929 als einer der beiden favorisierten Regisseure (der andere war Conrad Veidt, bekannt vor allem für seine Leistung in “Das Cabinet des Dr. Cagliari” - er ging damals lieber wieder nach Deutschland). Der ungarische Auswanderer Bela Lugosi hatte derweil bereits in seinen Bühnenstücken als Graf Dracula für Furore gesorgt und war daher brennend daran interessiert, auch im Film die Hauptrolle zu übernehmen. Nur war Lugosi für Laemmle Jr. anfangs keine Option. Erst nach der Verhinderung diverser anderer Schauspieler und dem Verzicht auf eine hohe Gage wurde dann doch Lugosi verpflichtet, was sich für den Film dann als Glücksgriff herausstellen sollte. Denn man sieht dem Ungaren an, wie sehr er diese Rolle gewollt hat. Zwar ist Lugosi nie zum alleinigen Synonym für Dracula geworden so wie Karloff für Frankenstein, aber das liegt beileibe nicht an seiner Leistung, sondern schlicht und einfach daran, dass “Dracula” filmhistorisch viel höhere Wellen geschlagen hat als “Frankenstein”, der außer ein paar direkten Sequels und einem Remake in den Neunziger Jahren kaum nennenswert weiter ausgebaut wurde. Und so muss sich Lugosi seinen Thronplatz mit Christopher Lee auskämpfen, aber immerhin... bei der Masse an Schauspielern, die in ihrer Karriere mal den Grafen Dracula darstellen durften, ist alleine dies schon eine Leistung, die der von Karloff gleichkommt. So ist Lugosi auch im wahrsten Sinne der Blickfang des Films - nicht nur durch die Art, wie er in Szene gesetzt wird - nein, auch durch seine pure Eigenausstrahlung. Er verleiht dem mysteriösen Geschöpf mit seinem hypnotisierenden Blick, seinen künstlich-theatralischen Gesten und seiner akzentuierten Ausdrucksweise eine faszinierende Aura. Das, was hier vonstatten geht, ist ein Stück weit die Interpretation des Schauspielers selbst, und das merkt man, denn er drückt der Rolle eindeutig seinen Stempel auf. Den abstoßenden alten Mann mit schütterem Haar und Mundgeruch, wie ihn Bram Stoker in seinem Roman beschrieb, verformt Lugosi zu einem undefinierbaren Wesen, das sein Gegenüber unweigerlich in seinen Bann zieht. Das mag nicht werkgetreu sein, aber es verleiht der Figur eine neue Facette, die sich in einem Zweig auch fortgesetzt hat. Lugosi romantisiert Graf Dracula, letzten Endes verleiht er ihm gar eine erotische Aura, auch wenn das heute schwerfällt zu glauben, sieht man den stieren Blick des kleinen Mannes in dem pechschwarzen Umhang und seinen kauzigen Akzent. Doch genau daraus schöpfen erotische Vampirdarstellungen wie die aus “Interview mit einem Vampir” ihre Substanz. Atmosphärisch ist die erste knappe halbe Stunde bei allen Mängeln, die ohne Zweifel auch hier zu finden sind, hervorragend geworden. Besonders, wenn man die Umstände bedenkt, denn das Schloss und seine unwirtliche Umgebung wirken trotz der vielen zum Einsatz gekommenen gemalten Hintergründe unheimlich und fremdartig - ganz so, wie es die Vorlage verlangte. Denn “Dracula” wurde bekanntlich absichtlich in die rumänischen Karpaten verlegt, eine aus Sicht der Amerikaner im Nirgendwo liegende Einöde, die genau dadurch ihren Grusel erlangt. Im Gegensatz zu James Whales surreal anmutender Verschleierung des Handlungsortes von “Frankenstein” sind diese Karpaten nun aber lokalisierbar, womit der Realismus betont wird - die Tatsache, dass in unserer rationalen Welt tatsächlich irgendwo ein Fleckchen existiert, das derart unheimlich ist - wobei das Unheimliche selbstverständlich weitestgehend von Bram Stoker hinzugedichtet wurde, der übrigens nie selbst an den Orten war, die er im Buch beschreibt. Die Bilder sprechen aber für sich. Auch wenn “Dracula” aus heutiger Sicht kaum mehr jemanden erschrecken dürfte, als “unheimlich” darf man die Szenen vor und im Schloss ohne schlechtes Gewissen bezeichnen. Dazu trägt nicht nur die gelungene Verschmelzungstechnik von realen Szenen und gemalten Landschaften bei (zum Teil wurde direkt vor die obere Hälfte der Kamera ein Hintergrundgemälde montiert und darunter lief der Film ab), sondern auch diverse gelungene Sequenzen, die das Drehbuch ausspuckte. Zu erwähnen sei Renfields Trip in der Kutsche, wobei ein geisterhafter Kutscher bereits einen Vorgeschmack auf den Zielort gibt und Renfield am Ende seiner Reise feststellen muss, dass er ohne Kutscher gefahren ist. Lugosi selbst führt den von Dwight Frye hervorragend gespielten Renfield zum Schloss, und zwar in aller Offensichtlichkeit - wiederum ein neuer Aspekt dieses Films, da der Kutscher ansonsten als vermummte Gestalt geschrieben war, die ihre Identität nicht preisgibt, worauf sich dann auch Coppolas Neuverfilmung wieder besonnen hat. Das Innere des Schlosses ist nicht minder imposant mit den hohen Steinwänden und Spinnweben, auch wenn die US-amerikanische Zensur einige sehr kuriose Änderungen verfügte (so laufen im Schloss keine Ratten herum, sondern Opossums und Gürteltiere!). Aber auf den ersten Blick fasziniert die durchaus spannende Ruhe in den Szenen der Unterhaltung zwischen Renfield und Dracula - mit Dialogen von Doppeldeutigkeit in mehrfacher Hinsicht. Draculas Akt des Betäubens seines Gastes durch Wein ist mit religiösen Motiven gespickt (hieraus ging dann auch die berühmte Zeile “I never drink... wine” hervor), und das, obwohl Regisseur Browning im Grunde nicht so sehr daran gelegen war, subtil zu werden. Angeblich wohnte er vielen Dialogszenen bei ihrer Entstehung nicht einmal persönlich bei, weil er sich vor ihnen grauste, obwohl er kurz darauf mit “Freaks” ein durch und durch sozialkritisches Werk ablieferte. Das deutet dann auch eher darauf hin, dass Browning ungleich weniger Herzblut in das Projekt steckte als der hochmotivierte Hauptdarsteller, was man leider auch an so mancher Szene erkennt, die bei all ihrem oberflächlichen Schein nicht immer ganz durchdacht wirkt. Wirklich stilistisch “perfekte” Momente wie die Auferstehung der Bräute in den Kellergewölben bleiben doch relativ selten. Das ist aber nicht alleine dem Regisseur zuzuschreiben, sondern fällt auf die komplette Produktion zurück. Leider ist zu deutlich die Orientierung an den Theaterstücken zu erkennen, die das Publikum erfreut haben, lange bevor bei Universal der Regierungswechsel vonstatten ging und das Projekt “Dracula-Film” endlich in Angriff genommen wurde. Auch sehr überraschend ist es, wie zurückhaltend der Deutsche Karl Freund, generell ein Virtuose seines Fachs, die Kamera einsetzt. Es gibt Szenen, in denen sein Talent zum Vorschein kommt und er mit effektiven Kamerafahrten brilliert, so wie in der erwähnten Auferstehungsszene geschehen. Meist aber bleibt die Kamera statisch. Allerdings ist hier wieder Einflussnahme des Regisseurs zu vermuten, der im Ruf stand, stehende Bilder für sich sprechen zu lassen. Nachdem Dracula London erreicht hat, verliert der Film zudem deutlich von seiner dichten Grundatmosphäre, entfernt man sich doch wieder von der fremden Umgebung und kehrt in die Zivilisation zurück. Dort begegnen uns nun allerlei cineastische Banalitäten, zu denen leider auch der restliche Cast zu zählen ist. Am Schloss waren die beiden besten Schauspieler mit ihrem Dialog isoliert und vermochten den subversiven Charakter der Dialoge alleine durch ihre schauspielerische Darstellung hervorragend zu transportieren, stets unterstützt von visuellen Gimmicks wie der Lichtreflexion auf die Augen Draculas, um so den Aufmerksamkeitsfokus des Zuschauers auf Lugosis Augen zu lenken und dessen Ausstrahlung noch zu vergrößern. Die Untersuchungen Van Helsings sind dabei zwar interessant und das Duell mit dem Grafen gefällt, aber die innere Spannung stellt sich nicht wieder ein. Geschickte Wortspiele, die Dracula und seinesgleichen zu einem Gleichnis von Luzifer machen (“Vampire existieren nur deswegen, weil niemand glaubt, dass es sie gibt”), verlieren ihren ironischen Unterton, denn er wird optisch einfach nicht gut weitergeleitet. Helen Chandler bemüht sich derweil, eine möglichst verwirrte Mina zu präsentieren, doch auch hier fehlt es ein wenig das Zusammenspiel mit Lugosi. Bei Coppolas Neuverfilmung wurde die Liebesgeschichte oft als ein dramaturgisches Defizit ausgelegt, doch für sich betrachtet funktionierte sie durchaus, während Lugosis Interpretation diese Facette fehlt. Unübersehbar ist es letzten Endes, dass der Mythos “Dracula” seiner ersten Verfilmung ein Schnäppchen schlägt und sie deutlich runder dastehen lässt, als sie wirklich ist. Wirtschaftskrise und sonstige äußere Einflüsse sind dem Werk anzumerken, aber nicht etwa in beschränkten Darstellungsmitteln, sondern in gewissen Entscheidungen, die von einflussnehmenden Akteuren getroffen wurden. “Dracula” wirkt trotz der atmosphärischen Bilder der ersten zwanzig Minuten wie ein Kammerspiel, eben wie ein Stück vom Broadway. Dem steht ein grandios aufspielender Bela Lugosi entgegen, der mit dieser Rolle auf ewig verbunden wurde (obwohl er sie von einer satirischen Ausnahme in der Abbott & Costello-Reihe abgesehen im Film nie wieder spielte) und der Vampirthematik entscheidende Anstöße gab, auf die noch heute zurückgegriffen wird. Bram Stokers Vorlage sorgt dafür, dass auch sonst in Tod Brownings Film eine Geschichte erzählt wird, die ohne Zweifel Substanz beweist, auch wenn sie aus heutiger Sicht abgedroschener nicht wirken könnte. Als Archetyp, auf den jüngere Beiträge zum Vampirfilm zurückzuführen sind, funktioniert er aber heute immer noch.

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