Die Mumie Stream Deutsch

Die Mumie
Bei Ausgrabungen in Ägypten stoßen Archäologen auf die Mumie des Priesters Im-Ho-Tep sowie eine mysteriöse Schriftrolle. Als einer von ihnen den Text vorliest, erwacht die Mumie zu neuem Leben, bemächtigt sich der Rolle und flieht. Zehn Jahre später bietet Im-Ho-Tep, der sich nun Ardeth Bey nennt, einer britischen Expedition seine Hilfe an. Dabei lernt er die junge Helen Grosvenor kennen, die er für eine Inkarnation seiner früheren Liebe Anck-es-en-Amon hält.

Reviews

Bloody Jörg
Eigentlich ist es ein Gemeinplatz, dass die Mumie als Filmmonster stereotyp herumlaufen, stöhnen und Männer und Frauen anekeln muss, die sich in einem Labyrinth altägyptischer Herkunft verirrt haben. Sie ist in der Vorstellungskraft vieler ein Vorläufer des gemeinen Zombies, denn sie schlurft, ist modrig und hat keinerlei Persönlichkeit. Die hat sich nämlich im alten Ägypten verabschiedet, als der einstige Bewohner des fleischlichen Körpers sich noch in ebendiesem befand, bis er in ebenso grässlichen wie faszinierenden Prozeduren der damaligen Kultur hinausgedrängt wurde - lebendiges Begraben und gleichzeitige Mumifizierung. Bräuche, die heute so fremd erscheinen wie sie Anziehungskraft ausüben - manchmal ist Geschichte eben kein ödes Langweilerfach, sondern ein Abenteuer. Das hat uns ja sogar schon Steven Spielberg weismachen wollen. Eine interessante Erkenntnis, dass der Archetyp des Mumienfilms selbst gar nicht in seine eigene Schublade passt. Der 1932er Film des deutschen Virtuosen in Sachen Cinematographie, Karl Freund, ist nur in wenigen Szenen ein Gruselfilm im ureigensten Sinne; vielmehr ist es eine Abhandlung über die Unvergänglichkeit der Liebe gleichermaßen wie über die Tragik, die ihr innewohnt. Freund inszenierte auf brillante Weise eine Ode an die Romantik, zollte seinen Ursprüngen bei Friedrich Murnau Tribut und verarbeitete damit vom reinen Stoff her eine Geschichte, die hundertmal universeller, mystischer und übergreifender ist als die der beiden Universal-Urmonster Dracula und Frankenstein zusammen. Wer sich daraus nun einen mit Suspense angereicherten Grusler erhofft, wird mit Sicherheit nach einem guten Beginn enttäuscht werden und sollte sich lieber sogleich an die Folgejahrzehnte halten, in denen mechanische Horrorfilme sich wie Sand in einer Uhr anhäuften, um sich die menschliche Angst vor dem Verfall und der Isolation eigen zu machen - im besten Fall ein gut funktionierendes Vanitasballett, im schlimmsten Fall ein affektiertes, billiges Horrorfilmchen. Karl Freund bewegt sich bei seinem US-Debüt keinesfalls in derlei Gefilden. Statt dessen greift er auf den “Frankenstein”-Star Boris Karloff zurück, der mit seiner Paraderolle ein Jahr zuvor eindrucksvoll bewiesen hatte, dass er auch unter einer Maske richtig spielen kann - etwas, das Bela Lugosi damals noch nicht wahrhaben wollte. Die Rolle des Imhotep musste in ihrer derzeitigen Konzeption wie geschaffen für Karloff wirken. Der Mann war geübt, unter einer Maske zu agieren, hatte darüber hinaus die perfekte äußere Erscheinung für eine regenerierte Mumie, konnte ihr aber auch Persönlichkeit verleihen, ein Element also, das man nicht notwendigerweise mit einer Mumie verbinden würde. Und die Idealerscheinung, die Karloff auf dem Papier vorgibt zu sein, ist er dann tatsächlich auch. Imhotep bezieht seine Persönlichkeit in erster Linie nicht etwa durch die (geschickt) eingebauten Rückblenden ins alte Ägypten, sondern durch Karloffs überragende Ausstrahlung. Die Maske, obgleich sie angeblich in vollen acht Stunden aufgetragen wurde, ist im Vergleich zu “Frankenstein” nur spärlich, so dass Karloffs Gesichtszüge stärker zur Geltung kommen und durch die abstoßende Faltenzeichnung und Schatteneffekte höchstens dämonisiert werden. Mit dieser optischen Hilfestellung garantiert Karloff die hypnotische Präsenz der Hauptfigur, die das Geschehen ganz einfach an sich reißt. Viel mehr noch als durch seine Mimik überzeugt Karloff allerdings durch seine aufrechte, verkrampfte Körperhaltung in einem Gewand, das ihn noch hagerer und länger aussehen lässt als er ohnehin ist. Hierdurch erscheint der Protagonist immer auf das Wesentliche konzentriert, scheint immer alles unter Kontrolle zu haben. Die meiste Zeit sehen wir jedoch keine Imhotep-Mumie, sondern einen aristokratischen Herrn, der sich selbst Ardath Bey nennt... sicherlich sehr faltig und in Nahaufnahme unangenehm anzuschauen, aber überaus menschlich wirkend, von seiner Erscheinung her irgendwo sogar an “Dracula” erinnernd, der sich ja schließlich auch als menschlicher Graf gegenüber seinem späteren Sargnagel Van Helsing vorstellte. Auch die Fernbeziehung zu Helen Grosvenor (Zita Johann), der Reinkarnation von Imhoteps ehemals Geliebter Anckesen-Amon, nimmt ähnliche Züge an wie bei “Dracula”. Soweit bewegt sich also auch “Die Mumie” innerhalb der Universal-Prämisse, die Monster als von der Umwelt gezeichnete Kreaturen darzustellen, die im Inneren auch nur Menschen mit allen Bedürfnissen eines solchen sind. Ein animalischer, monströser Aspekt ist wenn überhaupt nur weit zurückgezogen zu finden und wäre, wie gesagt, in seiner vollen Pracht eher bei den vielen Genre-Nachzüglern aus den 40ern und 50ern zu suchen. Ein richtiger Gruselfilm ist Freunds Werk deshalb auch nur im Prolog, der durch einen Jump Cut anschließend zeitlich von der Haupthandlung im großzügigen Maß abgetrennt wird. Hier spielt Karloff wirklich ein totes Wesen, das durch Magie zum Leben erweckt wurde, ohne menschliche Züge erkennen zu lassen. Beginnend bei der aufwändigen 180-Grad-Kamerafahrt in den Anfangscredits hin zum Filmtitel, zeigt der Regisseur seine ganze Erfahrung in Sachen Kamerahandhabung, wird sich mit Kameramann Charles J. Stumar wahrscheinlich auch ausgiebig beraten haben, denn der moderne Fahrtenstil, den Karl Freund bei seiner Arbeit an “Dracula” noch vermissen ließ, ist hier wieder vorzufinden. Wohlüberlegte Bildkompositionen werden erstellt, durch rasante Veränderung der Kameraposition neue wichtige Dinge in den Fokus gesetzt. Aus heutiger Sicht wirkt die Regie der “Mumie” deswegen viel flotter und zeitgemäßer, als dies bei anderen Produkten der Zeit, gerade eben “Dracula”, der Fall gewesen ist. Die Atmosphäre ist in diesen Momenten vollkommen dicht, die Auferstehung der Mumie ein Musterbeispiel geschickter Inszenierung. Der Forscher wird aus nachvollziehbaren Gründen mit der Mumie in einem Raum alleine gelassen, liest den befreienden Spruch vor - Schnitt - die Mumie in der Halbnahen öffnet langsam ihre Augen - Schwenk zurück auf den Forscher, der vollkommen in das Pergament versunken ist... Suspense pur, dann in der unteren Linken des Bildes plötzlich eine Hand auf dem Schreibtisch. Der Forscher dreht sich um, schreit aus ganzer Kehle, weicht zurück und fängt irre an zu lachen, auf ein Objekt schielend, das sich im Off befindet. Die Kamera folgt dem Blick des Forschers und erwischt gerade noch ein paar Bandagen, die durch die Ausgangstür gezogen werden. Die Mumie ist fort und kehrt erst Jahre später als Ardath Bey zurück, während der Forscher inzwischen durch die groteske Begegnung in den Wahnsinn getrieben wurde. Das ist soweit alles, was wir als Zuschauer wissen müssen, und so erfolgt der angesprochene Jump Cut, um Jahre verstreichen zu lassen, die sich das Special Effects-lastige Remake von Stephen Sommers aneignete, um auf eklige Weise die Rückverwandlung der Mumie zu inszenieren, welche hier unter den Tisch fällt. Die folgende Handlung ist leider nicht immer durchgehend spannend zu verfolgen. Längen in gewissen Dialogszenen lassen sich nicht vermeiden, denn viele Szenen wirken in ihrer Anordnung schlicht zu beliebig. Das Originaldrehbuch sah teilweise auch vollkommen anders aus, hier und da wurden Szenen gestrichen, manchmal auch wieder an anderen Stellen eingefügt, so dass der Film rein handlungstechnisch im ausgeweiteten Mittelteil zu keinem Zeitpunkt die Klasse von “Frankenstein” erreicht. Das mag daran liegen, dass Imhotep wegen der ausgelassenen Zeitspanne fast unmittelbar nach der Einführung auf seine Anckesen-Amon-Wiedergeburt trifft und die Handlung im weiteren Verlauf für Imhotep daraus besteht, wichtige Pergamente aus dem Museum zu stehlen, Helen Grosvenor in seine Arme zu treiben, sie zu hypnotisieren, ihr einen Blick auf ihr früheres Leben zu gewähren und zugleich die beiden Zweifler (u.a. Edward Van Sloan) abzuwehren. Die Szenenabfolge ist bisweilen austauschbar, was daran liegt, dass im Mittelteil einfach keine stringente Handlung vorhanden ist, die sich von einem Ergebnis zum nächsten stürzt. Womit Karl Freund diese inhaltlichen Mängel kompensiert, ist wirklich die Art und Weise, wie er das Medium Film für sich verwendet. Das Cross-Cutting zur Verdeutlichung der Beziehung zwischen Imhotep und Helen Grosvenor ist wirklich hervorragende Arbeit, ganz zu schweigen von der Kamerafahrt und den anschließenden visuellen Effekten bei der Vision, die Imhotep seiner wiedergeborenen Anckesen-Amon schenkt. Auch der Score sollte nicht außen vor gelassen werden, bedient er sich doch der interessanten Technik, in bedeutenden Momenten des Films eben genau keine Musik einzuspielen, sondern die Stille als Score für sich zu verwenden - mit einem überaus gelungenen Ergebnis. Wann immer die Musik aussetzt, schlägt die Spannungskurve nach oben aus. Am Ende steht ein Klassiker da, der bei Erscheinen noch mit schlechten Kritiken zu kämpfen hatte und das wohl nicht nur, weil Hauptdarstellerin Zita Johann gegen den eigenen Regisseur wetterte und behauptete, er habe keine Ahnung von dem, was er tue. Inzwischen hat sich der Stoff als zeitlos herausgestellt und die technische Umsetzung des Films als ausgezeichnet. Störend fällt auf, dass der Mittelteil darunter leidet, handlungstechnisch nicht unter Zugzwang zu sein und mit seinen Szenen jonglieren zu können, wie es den Verantwortlichen beliebte. Etwas mehr Stringenz hätte der Story nicht geschadet. Ansonsten aber ein sehenswertes Gruseldrama mit einem starken Karloff. Nur Mumien-Horror sollte man sich nicht erwarten.

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