The Wicker Man Stream Deutsch

The Wicker Man
Der gottesfürchtige Polizeisergeant Howie kommt vom Festland auf eine abgelegene schottische Insel, um das Verschwinden eines jungen Mädchens aufzuklären. Zu seinem Entsetzen muss der aufrechte Christ in Uniform feststellen, dass vom kleinen Kind über den alten Fischer und dem Kneipenwirt bis hin zur Lehrerin und dem Adel die Menschen auf dieser Insel nicht nur etwas zu verbergen haben, sondern auch offen und unverhohlen einer alten, heidnischen Naturreligion anhängen. Als er sich einer Mauer aus Lügen, Widersprüchen und Rätseln gegenübersieht, keimt in Howie ein schrecklicher Verdacht auf. Planen die von Lord Summerisle angeführten Inselbewohner im Rahmen eines bizarren Fruchtbarkeitsrituals tatsächlich ein Menschenopfer für eine reiche Ernte, nachdem die letztjährige so schlecht ausgefallen war?

Reviews

Kalla Malla
Seinerzeit mehr ignoriert als beachtet, gehört »The Wicker Man« aus dem Jahr 1973 mittlerweile zu den größten Kultfilmen und Sternstunden des britischen Kinos. Der hervorragende Edward Woodward spielt den Polizisten Howie, der auf die idyllische schottische Insel Summerisle reist, um das Verschwinden eines jungen Mädchens aufzuklären. Dort trifft er auf eine Mauer des Schweigens, sexuelle Verführung und einen bizarren Kult, angeführt von Christopher Lee, der seine ganz eigenen Pläne mit dem nichtsahnenden Howie verfolgt... »The Wicker Man« ist wohl ohne Frage einer der ungewöhnlichsten, überraschendsten Horrorfilme aller Zeiten. Visuell durchgehend faszinierend, von alptraumhaft-düsterer Atmosphäre und bis in die Nebenrollen brillant gespielt, verbreitet »The Wicker Man« eine fesselnde Stimmung der Angst und Bedrohung. Das Geschehen spielt sich dabei an hellen, sonnigen Sets ab und wird mehrfach von folkloristischen Musiknummern unterbrochen. Beides führt zu maximaler Authentizität. Genau aus diesem Grund übrigens dürfte der Film auch nicht jedermann gefallen. »The Wicker Man« stellt viele Verabredungen des Genres mit dem Publikum auf den Kopf und bleibt immer unvorhersehbar. Das Drehbuch von Anthony Schaffer (»Frenzy«, »Mord mit kleinen Fehlern«) stellt Volks-Mythen und modernes Heidentum dem Katholizismus, sowie sexuelle Repression naturverbundener Freizügigkeit gegenüber. Die Insulaner verkörpern eine Art Flower Power-Gesellschaft, Sergeant Howie muss gegen sie nicht nur seinen Glauben verteidigen, er muss auch allen Verführungsversuchen widerstehen. Dabei wird die Frage aufgeworfen, was eigentlich heidnischen Aberglauben von »akzeptierter« Religion unterscheidet und inwieweit sie sich in ihren Ritualen ähneln. Gleichzeitig steuert »The Wicker Man« unter der inspirierten Regie von Robin Hardy so bitter-ironisch seinem erschreckenden Finale entgegen (ein letzter Akt, den wohl niemand vergisst), dass die anspruchsvollen Subtexte eher beim zweiten Sehen zum Tragen kommen. Die Entstehungsgeschichte des Films ist beinahe ebenso spannend und auf der hier enthaltenen Doku »The Wicker Man Enigma« zu verfolgen. Es ist Christopher Lee zu verdanken, dass »The Wicker Man« überhaupt fertig gestellt werden konnte. Lee sah hier seine Chance, sich von seinem Dracula-Image zu befreien, was ihm in seiner doch überraschend kleinen Rolle gelingt. In Nebenrollen tummeln sich Genre-Ikonen wie Ingrid Pitt sowie eine nackt tanzende Britt Ekland als personifizierte Versuchung. Das lächerliche US-Remake von 2006, das (natürlich) auf alle religiösen Subtexte verzichtete und somit der Geschichte komplett den Boden entzog, beweist eindringlich die fantastische Qualität des Originals und den Willen aller Beteiligten, hier etwas wirklich Großartiges abzuliefern. Der späte Erfolg gibt ihnen Recht.

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