Die Klavierspielerin Stream Deutsch

Die Klavierspielerin
Erika Kohut gibt Klavierunterricht am Konservatorium in Wien. Sie ist Anfang vierzig und lebt mit ihrer streng kontrollierenden Mutter zusammen. Manchmal flieht sie aus diesem Umfeld. Dann besucht sie Pornokinos oder Peepshows. Sexualität erlebt sie als Voyeuristin. Ihr Leben spielt sich nicht in der Welt der anderen ab. Bis eines Tages einer ihrer Studenten sich in den Kopf setzt, sie zu verführen. Zwischen Anziehung und Abstoßung wächst die Lust. Nach einem ersten missglückten Versuch der Annäherung versuchen beide, das Spiel weiterzuführen und zwar jeder nach den jeweils eigenen Regeln. Ein Kampf entsteht ...

Reviews

Kalla Malla
Erika Kohut (Isabelle Huppert), gescheiterte Konzertpianistin und eifersüchtig bewachter »Besitz« ihrer kaltherzigen Mutter (Annie Girardot) , fristet ihre Tage als Klavierlehrerin am Wiener Konservatorium. Gefangen zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Dominanz ihrer Mutter flüchtet sich die verbitterte Mittvierzigerin in Voyeurismus und Selbstverstümmelung. Bis sich eines Tages der zwischen jugendlicher Unschuld und brutaler Triebhaftigkeit pendelnde Student Walter Klemmer (Benoît Magimel) in den Kopf setzt, den emotionalen Panzer der Frau zu durchdringen. Die Folgen sind verheerend... Wie beinahe alle Filme von Michael Haneke ist »Die Klavierspielerin« schwer zu mögen, aber leicht zu bewundern - für die Auslotung der Grenzen des Zeigbaren, für die intensiven Darstellerleistungen, für die menschlichen Abgründe seiner Protagonisten (wobei einige Elemente der Romanvorlage, die sich auf die Motivation des männlichen Helden beziehen, außer acht gelassen wurden). Nach Ansehen der »Klavierspielerin« fühlt man sich zwar nicht gerade gut, aber das Gezeigte geht einem auch lange nicht mehr aus dem Kopf und ist deswegen befriedigender als so viele andere Filme, die sich des Themas einer sadomasochistischen Beziehung annehmen und nur auf sensationsheischenden Exhibitionismus setzen. Das liegt natürlich besonders an Isabelle Huppert, die immer wieder überrascht und hier wirklich über alle Grenzen geht, ohne jede Verklemmtheit und Scheu. Es kommt wirklich nicht jeden Tag vor, dass man einem internationalen Star von Hupperts Rang dabei zusehen kann, wie sie in der Hauptrolle als Erika heimlich einem Liebespaar zuschaut und dabei auf den Fußboden uriniert - oder in der Peepshow-Kabine an gebrauchten Zewas schnuppert. Gezwungen, ihre Neigungen zu verstecken, bleibt ihre Psyche nicht lange unbeeinflusst und treibt sie schließlich in den Selbstmord. Schockierend ist ihr Hang zur Selbstverletzung, teilweise sind die Szenen auch etwas zu direkt in Szene gesetzt. Vor allem die Szene, in der sie sich mit einer Rasierklinge selbst verletzt, ist eher Ekel erregend. Doch gehört dies zu Erikas Neigung und muss daher so unverhüllt dargestellt werden. Gewöhnungsbedürftig sind auch die Szenen mit Walter, in denen sie schockierend brutalen Geschlechtsverkehr allein nach ihren Regeln vollziehen. Man muss es nicht mögen, aber man muss den Hut ziehen vor so viel Mut und schauspielerischer Hingabe. Jungstar Benoit Magimel verblasst ein wenig neben Hupperts Kraft, doch bekommt auch er vom Film genügend Momente, in denen der Zuschauer mehr über seinen Charakter erfährt als auf den ersten Blick erkennbar ist. Und noch ein Wort zur allgemein oft gescholtenen deutschen Synchonisation: Corinna Harfouch, die der großartigen Isabelle Huppert ihre Stimme leiht, taucht wirklich in die Figur ein und ist ein schlicht ein Genuss. Fazit: Für mich Hanekes bester Film, auch weil er diesmal so gar nicht oberlehrerhaft daherkommt und sich einfach auf die Charaktere konzentriert.

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