Die Ehre der Prizzis Stream Deutsch

Verheiratete Killer am Tag. Hingebungsvolle Liebhaber bei Nacht. Aber beim nächsten Auftrag geht jeder seine eigenen Wege.
Die Ehre der Prizzis
Charley Partanna arbeitet als Auftragskiller für die New Yorker Mafiafamilie der Prizzis. Auf einer Hochzeitsfeier lernt er die gutaussehende Irene Walker kennen und beginnt mit ihr zu flirten. Als sie plötzlich von den Feierlichkeiten verschwindet, macht sich Charley auf die Suche nach der Schönen. In L.A. treffen sie sich wieder und beschließen möglichst bald zu heiraten. Zurück in New York erfährt er, dass seine Angebetete eine Auftragskillerin ist, was ihn jedoch nicht von seinen Heiratsplänen abbringt. Seine eifersüchtige Ex-Freundin Maerose Prizzi, die Tochter des Familienoberhaupts Don Corrado, will sich das nicht bieten lassen und setzt einen Auftragskiller auf Charley an. Und wer wäre da besser geeignet, als seine eigene Ehefrau...
Title Die Ehre der Prizzis
Release Date 1985-06-14
Runtime
Genres Liebesfilm Komödie Krimi Drama
Production Companies ABC Pictures, 20th Century Fox
Production Countries United States of America

Reviews

Kalla Malla
Schon im Vorspann wird mit wenigen Akzenten die Grundmelodie dieser schwarzen Komödie etabliert. Drei Bilder wie aus dem Fotoalbum eines Berufsganoven. Über den Neugeborenen freuen sich Papa und »Pate« der Sippe, der Junge packt unterm Weihnachtsbaum sein Geschenk aus, einen Schlagring, und der Jüngling wird mit einem Blutschwur auf die Ehre der Familie Prizzi verpflichtet. Drei Bilder, eine sarkastische Kurzbiographie. Wenn mit gotischen Kirchenfenstern und »Ave Maria« der Film einsetzt, die sizilianische Großfamilie in Brooklyn eine pompöse Hochzeit inszeniert, dann ist Charly schon erwachsen, Chef-Killer der Prizzis, später sogar designierter Nachfolger des Oberhauptes, des »Paten«, Don Corrado. Aber erstmal verliebt er sich in eine mysteriöse Blondine, fliegt ihr dauernd nach Kalifornien hinterher, heiratet sie schließich. Erst später merkt er, daß sie auch in der Branche arbeitet, offenbar sogar gefragter und öfter im Einsatz ist als er selbst. Aber was bedeuten schon ihre paar »Fälle«, fragt sie zu Recht, »im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung«. Und kann sie nicht, meint ihre Nebenbuhlerin, vom Gewerbe abgesehen, »eine gute Frau in allen übrigen Abteilungen« sein? Die Freiberufliche und der fest Angestellte heiraten also. Mal drehen sie ein Ding zusammen, mal arbeiten sie getrennt, einmal wird sie sogar auf ihn angesetzt, verrät es aber ihrem Kollegen und Geliebten, denn sie mag ihn so aufrichtig wie er sie. Killers in Love. Erst als Irene eine Polizistenfrau umlegt und immer klotzigere Forderungen an die Prizzis stellt, wird sie ein ernstes Problem für das Unternehmen. Das letzte Wort behält, natürlich, der Clan der Sizilianer aus Brooklyn. Geschäftliches und Liebeshändel, labyrinthische Machtspiele um die sogenannte Ehre und die Führung des mächtigen Syndikats, strategisches Gerangel um private Rechnungen und um Mafia-Millionen. Sex und Leidenschaft, Pasta und schmachtender Belcanto, Killereien und Intrigen, Mord und Totschlag, immer garantiert mit hochtrabenden Beschwörungen von Tradition, Loyalität, Familienehre, Macht. Der Clan und sein Code, eine Welt für sich, ein gravitätischer Höllentanz. In Filmen wie »Der Pate«, »Chinatown« oder »Es war einmal in Amerika« hatten die Mafiosi die schön-schaurige Aura antiker Heroen, tragischer Shakespeare-Figuren. Huston reduziert sie auf das, was sie in Realität sind: abgefeimte Schurken, die sich mit falscher Würde und schäbiger Bonhomie tarnen, miese kleine Gangster mit dem Gebaren seriöser Geschäftsleute, Mörder und Filous in der Maske frommer Katholiken, arrivierter Bürger, treusorgender Familienväter. Mit sardonischem Vergnügen dekuvriert Huston das organisierte Verbrechen als ein monströses, obszönes Schmierentheater. Am deutlichsten wird das im Spiel der Darsteller. Sie übertreiben genüßlich, zerdehnen das verlogene Pathos dieser Typen, bis es zur beißenden Ironie umkippt, unterstreichen ihre vorgegebene Normalität und absurde Moral durch theatralisches Auftreten, aufgeplustert ehrenwerte Gesten und Grimassen, durch deftiges, aber klug kontrolliertes Chargieren. William Hickey, durch die Maske um 30 Jahre älter gemacht, ein kleines, dürres Männchen, tut so, als sei Don Corrado ein jovialer, gütiger, scheißfreundlicher »Pate« seiner Sippschaft. Aber sein feierliches Getue, halb eine Parodie des »Paten« von Marlon Brando, halb eine Karikatur päpstlicher Majestät (einmal steht er unter einem Papstbild), verdeckt kaum seine skrupellose Robustheit, seine Raffgier, seine schmierig verpackte Kälte. Manchmal bewegt er sich wie ein Reptil, erinnert an die Lüsternheit eines Vampirs, an Nosferatu. Wenn Irene dem »Paten« ihre Aufwartung macht, läßt er ihre Hände minutenlang nicht aus seinen Klauen, zwingt sie damit in eine gebeugte Haltung und diktiert ihr so seine Forderungen. Jack Nicholson ist Charly. Mit dem ersten Blick nach der Auserwählten, gleich zu Beginn in der Kirche, hat er schon gewonnen: vulgär, geil, beinahe verdattert, zugleich verschlagen. Er spielt, daß er einen etwas schwerfälligen Liebesnarren spielt, immer etwas tumber, als er wirklich ist, sehr manieristisch, herrlich komisch. Ein Strizzi, rüde, zynisch, mit lässigen, lauernd langsamen Bewegungen und rollenden Augen (die ihm gelegentlich zum Silberblick wegrutschen), mit einem fiesen, primitiven Jargon, den er im breiten Brooklyn-Akzent hervorknautscht, als habe er den Mund voller Kaugummi (hoffentlich ebnet die Synchronisation das nicht alles ein). Charly ist mißtrauisch, brutal, tut aber fast erstaunt über die Verderbtheit dieser Welt. Nicholsons mimisches und akustisches Tremolo, seine grellen Faxen und Fratzen, hier machen sie Sinn. Kathleen Turner spielt realistischer, gradliniger, etwas zu cool und glatt die blonde Lady, die ihre Gerissenheit und Abgebrühtheit und ständige Hab-acht-Haltung mit der strahlenden Pose der glücklich Verliebten kaschiert. Wunderschön, fast lieb, verwirrend offen und natürlich. Sie bleibt die Außenseiterin, eine WASP-Diva im Schattenreich der Cosa Nostra, ohne die schillernde Ambivalenz von Faye Dunaway in »Chinatown«. Anjelica Huston, Tochter des Regisseurs und langjährige Freundin Nicholsons, ist die verstoßene »femme fatale« der Prizzis, die sich mit einer diabolischen Intrige den untreuen Liebhaber Charly, ihre Rache und den Sieg im blutigen Verwirrspiel um die Ehre des Clans erkämpft. Große Roben und Gebärden, laszive Täuschungsmanöver und clevere Machenschaften, eine würdige Prizzi-Mama in spe. Die Szene, in der sie mit angemalten Trauerringen unter den Augen, outriert wie auf der Opernbühne, ihrem Vater die ehrlose, ordinäre, vergewaltigte Frau vorspielt, ist ein komödiantischer Höhepunkt des Films. Der Roman »Prizzi's Honor« von Richard Condon sowie sein und Janet Roachs Drehbuch ist ein bizarres Schauerstück über Erfolg, Karriere, Kapitalismus und die hehre Geschäftsmoral großer Konzerne, eine tragikomische Lovestory, eine bissige Satire über die Mafia und über Mafia-Filme. Allein durch Hustons souveränen Stil aber wird der krude Mummenschanz, den die Prizzis abziehen, zu einer Parabel von grimmiger Konsequenz. Die Musik z.B. (Rossini, Puccini, Donizetti, Verdi) ist verführerisch kulinarisch, ironisiert aber zugleich, zum meckernden Gelächter verzerrt und verquäkt, das Geschehen oder kommentiert es direkt, etwa wenn die Verstoßene die unglückliche Frau spielt, die Arie aus »Gianni Chicchi« im Hintergrund aber verrät: »O lieber Vater, ich mag ihn ja so gern...«. Heißer Sex, lapidare Gangster-Coups, makabre Pointen in Bild und Ton sind in die permanent laufenden Opernmelodien eingebaut wie kleine groteske Akzente; Szene und Soundtrack kulminieren im sarkastischen Tusch. Die würdevollen Dialoge trudeln in absurde Komik weg, z.B. wenn die alten Herren im Tonfall einer Kirchenratssitzung Morde und Verbrechen bereden oder wenn sich Charly und Irene ihre Liebe bekennen, aber plötzlich mit dramatischer Emphase über den Unterschied von »lieben« und »verliebt sein« zu dozieren anheben. Auch der Titel ist schierer Hohn. Ehre in diesen Kreisen meint Krieg jedes gegen jeden, ständige Angst und Vorsicht, immer neue, gefährliche Wendungen, Windungen und Verbindungen. Ein freundlich angebotener Keks kann vergiftet sein, artig absolvierte Trauer über einen beseitigten Sohn ist schamlose Verstellung, denn er war eh allen lästig und dem Geschäft abträglich geworden. Die perfide Logik solcher Familienmoral ist ein Paar, das sich mit Waffen zum Beischlaf rüstet. Küsse, Schüsse, das reimt sich für diese Liebenden. Und selbst den Horror vom Mord im Ehebett macht Huston mit einem genial einfachen Stilmittel, der gnädigen Zeitlupe, goutierbar - der Countdown als pervertierte Variante eines klassischen Pflicht-Neigung-Konfliktes. »Die Ehre der Prizzis« ist ein lakonisches Alterswerk, nachtwandlerisch sicher, unangestrengt, böse, heiter. Den Wechsel zwischen Brooklyn und Kalifornien in der Handlung annonciert jeweils die statische Einstellung eines Flugzeuges, das von rechts nach links oder von links nach rechts fliegt, ganze drei Sekunden lang. Eine extrem simple Kurzformel als amüsanter running gag. Mit solch sparsamen Mitteln, ohne Aufwand, ohne die stereotypen action-Szenen und die obligatorischen Massaker, erreicht Huston ein Maximum an Spannung, Humor, intelligenter Unterhaltung. Sein Film ist eine schöne, notwendige Erinnerung an die vergessenen Tugenden des amerikanischen Erzählkinos. Fazit: Die Menschen werden im Alter nicht nur weiser, sondern oft auch böser. John Huston, der Altmeister aus Hollywood, hat das mit seinem Alterswerk bewiesen: Sein Mafia-Film, die groteske Geschichte von der Liebe zweier Berufskiller, »Die Ehre der Prizzis« ist eine ebenso bissige wie komische Abrechnung mit dem Mythos der importierten Familien-Kriminalität. Das ironische Gegenstück zu Francis Ford Coppolas »Der Pate«.

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