Der falsche Mann Stream Deutsch

Der falsche Mann
Manny Balestrero ist Musiker im New Yorker “Stork Club”. Er und seine Frau Rose stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Doch echte Schwierigkeiten gibt es, als Manny eines Tages verhaftet wird. Zeugen behaupten, daß er zahlreiche Überfälle begangen haben soll. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Seine Frau bringt Geld für die Kaution auf und Balestro versucht verzweifelt, Zeugen für ein Alibi aufzutreiben. Aber von den drei Männern, mit denen er zur Tatzeit Karten gespielt hat, sind zwei tot – und der dritte ist unauffindbar. Die Situation wird gefährlich für Balestro…

Reviews

Kalla Malla
Christopher Emmanuel Ballestrero, kurz genannt »Manny«, ist Barmusiker im New Yorker »Stork Club« und ein durch und durch in bescheidenen Verhältnissen lebender unbescholtener Bürger. Lediglich die finanziellen Sorgen rauben ihm nachts hin und wieder den Schlaf. Als dann seine Frau Rose auch noch eine teure Zahnbehandlung machen lassen soll, weiß Manny nicht mehr, woher er das Geld nehmen soll. Deswegen sucht er eine Versicherungsgesellschaft auf, um eine Versicherung seiner Frau zu beleihen. Die dortigen Angestellten meinen, in ihm einen Mann wieder zu erkennen, der sie vor einiger Zeit ausgeraubt hat und verständigen die Polizei. Als Manny daraufhin abends vor seinem Haus verhaftet wird, weiß er nicht, wie ihm geschieht. Plötzlich muss er sich damit auseinandersetzen, dass ihm mehrere Raubüberfälle vorgeworfen werden und der redliche Mann hat keine Ahnung, wie er seine Unschuld beweisen soll, denn sämtliche Augenzeugen identifizieren ihn ohne jeden Zweifel. Nachdem Manny gegen eine hohe Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, beginnt seine verzweifelte Suche nach Zeugen, die ihm ein Alibi geben können. Doch diese Suche gestaltet sich äußerst schwierig und zusehends versinkt Mannys Frau Rose in einer paranoiden Depression… »Der falsche Mann« (»The Wrong Man«) aus dem Jahr 1956 nimmt unter den Werken Alfred Hitchcocks eine Sonderstellung ein, da er eine wahre Begebenheit ohne Hinzugabe von dramaturgischen Erfindungen (jedenfalls nach Hitchcocks Aussage) schnörkellos und in fast dokumentarischer Qualität erzählt. »Der falsche Mann« ist vielleicht Hitchcocks düsterster, pessimistischster und schonungslosester Film, auf jeden Fall ist er sein Europäischster. Mit »Der falsche Mann« verabschiedet sich Hitchcock vollkommen vom klassischen amerikanischen Erzählkino. Statt eines Plots erzählt er eine Situation und deren Folgen. Humor ist in der Welt vom falschen Mann nicht vorhanden, seine Sicht auf Justiz und Gesellschaft ist deprimierend. Hitchcock selbst empfand sein Werk als nicht besonders gelungen. So ungern ich ihm widerspreche - »Der falsche Mann« ist ein Meisterwerk und einer der besten Hitchcocks. Viel ist über Hitchcocks Meisterwerke geschrieben worden. »Der falsche Mann« wird dabei häufig übersehen, weil er im Vergleich so klein, so bescheiden, so still wirkt. Aus heutiger Sicht ist es absolut erstaunlich, wie sehr Hitchcock mit Erzählmitteln operiert, die kurze Zeit später in der französischen Nouvelle Vague gefeiert wurden. So lässt er Laien auftreten, die sich selbst spielen, dreht überwiegend an Originalschauplätzen (was Hitchcock nie mochte), legt besonderen Wert auf realistische Abläufe (wie etwa die Prozedur auf dem Polizeirevier), und diese Details verleihen dem Drama seine bedrückende Atmosphäre. Bilder aus dem nächtlichen New York, untermalt von Bernard Herrmanns großartiger, weil extrem zurückgenommener Musik, haben die Qualität eines Alptraums. So ist »Der falsche Mann« auch Hitchcocks kompromisslosester Film Noir. Die falsche Verdächtigung ist - anders als in vielen anderen Hitchcocks, in denen Unschuldige gejagt werden - nicht Masterplan eines Oberbösewichts, sondern allein menschliches Versagen, ein Irrtum. Im Gespräch mit Francois Truffaut meinte Hitchcock, es sei ein Fehler gewesen, die Handlung in der zweiten Hälfte des Films auf Vera Miles zu verlagern. Auch hier würde ich widersprechen. Nicht nur spielt Vera Miles die labile Rose sensationell, ihr Abgleiten in Apathie und Isolation ist vollkommen erschütternd und zeigt, dass eine Hexenjagd nicht nur Auswirkungen auf die direkt Betroffenen, sondern auch auf deren Umfeld hat, und zwar unvorhersehbare Auswirkungen. Im für mich besten Moment des Films stehen Fonda und Miles wieder einmal vor einer verschlossenen Tür und einer geplatzten Hoffnung auf ein Alibi. Während Fonda resigniert, bekommt Miles einen hysterischen Lachanfall "Ein schönes Alibi, wirklich ein schönes Alibi!"... Fazit: Norman Bates' ausgestopfte Mutter im Keller macht Angst, doch »Der falsche Mann« kriecht auf ganz anderen Wegen unter die Haut und ist nicht weniger erschreckend.

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