Mozart Don Giovanni Stream Deutsch

Umjubelter Saisonauftakt 2011/12 an der Mailänder Scala mit “Don Giovanni”
Mozart Don Giovanni
Die Neuaufnahme von Mozart’s Don Giovanni auf Blu-ray präsentiert ein Star-Aufgebot. Von Anna Netrebko, Bryn Terfel und Anna Prohaska über Daniel Barenboim als Dirigent sind einige der größten Namen in der Opernwelt vertreten. Die Live-Aufnahme der Blu-Ray entstand zum Saisonstart der Scala 2011-12 und wird nun genau rechtzeitig zu Bryn Terfel’s 50. Geburtstag am 9. November 2015 veröffentlicht. In einer fantastischen Darbietung als Donna Anna feiert Anna Netrebko ihr Scala-Debut. Ihren internationalen Durchbruch hatte sie in dieser Rolle bei den Salzburger Festspielen 2002 erlebt. „Netrebko’s Donna Anna war mitreißend, so vornehmlich und mit welcher Leichtigkeit sie diese Rolle schauspielerisch umgesetzt hat", kommentierte der Observer (London) nach ihrem Scala-Auftritt. Regisseur Robert Carsen rundet die Produktion mit seinem eindrucksvoll inszenierten Bühnenbild perfekt ab.

Reviews

Helios61
Don Giovanni jankert flott vom Zuschauerraum auf die Bühne, um den Vorhang wegzureißen, der wiederum den Blick freigibt auf eine Spiegelfolie, die wiederum den Zuschauerraum reflektiert, und das kaum nach Einsetzen der Ouvertüre. Wir haben begriffen, Don Giovanni ist das Abbild unserer Gesellschaft und des Theaters im allgemeinen (Reihenfolge bitte aussuchen). Und spätestens, wenn dann die (praktisch) schiebbaren Kulissenteile bemalt mit den Motiven des Vorhangs der Scala, die an mal von vorne mal von hinten zu „bewundern sind, weiss der einigermaßen erfahrene Theatergeher, er hat es mit einer der vielen karg-weinroten (aalglatten) Dutzendarbeiten von Robert Carsens zu tun. Natürlich gibt es fahrbare Garderobenständer, Koffer, Holzsessel mal gestapelt mal in Formation Reih und Glied arrangiert auf der Bühne. Guckfenster und Türen im Vorhang, das Personal des Stücks wuselt schon mal im Publikumsraum und da zuvörderst in der ersten Reihe herum. Optische Langeweile rundum. Habe ich was vergessen? Ach ja, es könnte im identen Dekor natürlich problemlos ein Lully, Rameau oder Händel inszeniert werden. Es wäre nicht fair, unerwähnt zu lassen, dass manches Detail der Personenregie in Großaufnahme vor dem TV durchaus interessante Ansätze birgt, grosso modo aber im regietheaterlich ausgeräumten, dennoch gnadenlos altmodischen Kulissentheater absäuft. Kommen wir zur Musik. Viele kennen Daniel Barenboims Don Giovanni von der Plattenaufnahme mit Furlanetto, Tomlinson und Waltraud Meier her. Hier an der Scala ist das nicht grundsätzlich anders. Ein gutes Gefühl für Cinemascope Klang und dramatische Wucht, dafür breite, erdenschwere und manchmal dickflüssige Tempi (Duett Giovanni Zerlina!). Es wäre nicht ehrenrührig, wenn mancher bisweilen eine Assoziation zum 2015 zum Jugendwort des Jahres gekürten „zach“ nicht abwegig fände. Die Sängerseite wartet mit vier exzellenten und zwei nicht mehr ungetrübt genießbaren Besetzungen auf. An erster Stelle ist Peter Mattei als Titelheld zu erwähnen. Wie schon in Paris in der berühmten Haneke-Produktion stellt Mattei auch in Mailand vom Stimmtypus, Timbre, Physik und Ausstrahlung her eine Idealverkörperung des hybriden Helden dar. Man höre nur das zart verführerische Ständchen oder die wirklich spektakulär moussierende Champagnerarie als die zwei Pole vokaler Reverenz. Ein Ereignis. Sein alter Ego Leporello wird von Bryn Terfel im Handwerkeroutfit verkörpert. Rauh wackelig brüllt und palavert sich Terfel unkultiviert durch die Partie, dass es keine Freude ist. Kein Vergleich zu seiner damals hinreißenden Darbietung derselben Rolle in Salzburg 1994 in der Regie von Patrice Chereau (ebenfalls mit Barenboim als musikalischem Leiter). Anna Netrebko als Donna Anna ist wie zu erwarten ein Naturereignis. Hinreißend schön als „schwarzhaarige Marilyn Monroe“ singt sie bei kleinen intonatorischen Abstrichen die Anna so leidenschaftlich zerrissen, so erotisch aufgeladen, so dunkel barock-üppig, dass genau das entsteht, was als Stoff zu Theater-Träumen einlädt. Allerdings ist die Aufzeichnung mit Netrebko aus dem Festspielhaus Baden-Baden 2013 (Sony) dramaturgisch und musikalisch (Thomas Hengelbrock) spannender und aufgrund der Mitwirkung von Noch-Ehemann Erwin Schrott auch ungemein spannungsgeladen. „Ihr“ Ottavio wird von Giuseppe Filianoti anständig gesungen. Einige rhythmische Ungenauigkeit und ein Hang zum Schleppen fallen allerdings schon auf. Barbara Frittoli in der Rolle der Elvira ist als Studie einer eifersüchtigen, leidenschaftlichen, erotisch herbstelnden Diva köstlich. Rein stimmlich ist ihr mittlerweilen stark zu Tremolo und Schärfen in der Höhe neigende Stimme über diese Rolle schon hinaus. Reine Freude und das große Opernglück bereiten hingegen Anna Prohaska als Zerline und Stefan Kocán als Masetto. Von der in Berlin trotz des jugendlichen Alters nahezu kultisch verehrten Prohaska darf sich der Opernfreund noch viel erwarten. Ihr Sopran und ihre Bühnenpräsenz haben alles und noch mehr, um ohne Wahrsager zu sein, eine große Zukunft vorhersagen lassen. Insgesamt bekommt dieser Don Giovani Mitschnitt vor allem wegen Allerweltsinszenierung und so manch musikalischer Abstriche keine Empfehlung. Auch die Videoregie überzeugt nicht. Dr. Ingobert Waltenberger

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