Blutsverwandte Stream Deutsch

Die Abgründe hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit.
Blutsverwandte
Blutbeschmiert betritt die Teenagerin Patricia in Montreal ein Polizeirevier. Sie behauptet, sie sei Zeugin gewesen, wie ein Unbekannter ihre Cousine vergewaltigt und getötet hat. Die Polizei sucht unter den bekannten Sittlichkeitsverbrechern der Stadt. Doch dann ändert Patricia ihre Aussage: Der Mörder sei ihr Bruder Andrew gewesen, der eine Affäre mit ihrer Cousine gehabt habe. Beide Aussagen kommen Inspektor Carella nicht besonders schlüssig vor...

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Kalla Malla
Muriel Stark, ein 17-jähriges Mädchen, wird nachts auf dem Heimweg von einer Party Opfer eines Verbrechens. Tatzeugin ist ihre jüngere Cousine Patricia, die kurz darauf in Panik und blutverschmiert in ein Polizeirevier von Montreal stürzt. Sie schildert Inspektor Carella, wie sie und Muriel von einem fremden Mann überfallen wurden. Der Unbekannte verging sich an Muriel und tötete sie. Als er auch über Patricia herfiel und auf sie einstach, konnte diese im letzten Moment entkommen. Nach der Entdeckung der Tatwaffe macht Patricia plötzlich eine bestürzende neue Aussage: ihr Bruder habe Muriel umgebracht. Andrew wird daraufhin festgenommen, bestreitet jedoch entschieden, der Täter zu sein. Auch Inspektor Carella hat seine Zweifel und konzentriert seine Ermittlungen auf einen anderen Verdächtigen. Als man Muriels Tagebuch findet, ergibt sich jedoch eine gänzlich neue Spur ... Die Skyline der Großstadt bei Nacht, ein markerschütternder Schrei, ein rennendes Mädchen, Blut, ein zweites Mädchen, tot. Mittendrin in einem Giallo, möchte man meinen, etwas mehr Blut, etwas mehr Gewalt und das könnte vielleicht auch ein Film von Argento oder Fulci sein. Doch dann trittt Donald Sutherland als ermittelnder Polizist ins Bild, dem die Lösung des Verbrechens zur Obsession wird, und das wirkt, in den Siebzigern, eben immer auch wie »Wenn die Gondeln Trauer tragen« von Nicolas Roeg. Auf dem Regiestuhl saß jedoch Chabrol und so ist's kaum ein Wunder, dass der Thriller einen etwa nach halber Laufzeit im Stich lässt, zum Familiendrama mutiert. Recht elegant geschieht das: Die Ermittlungen bleiben stecken, nicht zuletzt auch weil die Überlebende des Verbrechens, die »Schwester« des Opfers, recht widersprüchliche Aussagen macht. Das Tagebuch des Opfers, im Müll geborgen, soll Aufschluss geben, bleibt alleiniges Indiz. Um Inzest geht es, gewissermaßen, denn das Opfer war lediglich in jungen Jahren in die Familie aufgenommen worden, nur Cousine der Überlebenden und deren Bruders. Mit dem sie ein Verhältnis hatte. Und der sehr eifersüchtig ist. Die Suche nach dem Mörder da draußen, irgendwo zwischen den Fassaden der Stadt, gerinnt zur spannenden, buchstäblichen Lektüre der Obsessionen da drinnen, ausgefochten allein in den Seiten des Tagebuchs, zu einer Studie familiärer Stukturen und Implikationen. Dieser eher unbekannte Film Claude Chabrols ist ein kleines Meisterwerk der Spannung, Figuren - und Milieuzeichnung. Die Auflösung ist dann schlußendlich so überraschend wie schockierend. Dazwischen gibt es Schauspielerleistungen vom Feinsten: Chabrol-Ehefrau Audran als dem Alkohol zugeneigte Mutter, die lieber verdrängt als Offensichtliches wahrnimmt, Donald Pleasence als erbärmlicher Päderast in einer genialen Verhörszene und natürlich sehr viel Atmosphäre. Man kann kaum glauben, wie schlicht und einfach das bei Chabrol immer ist - es gibt kaum sensationelle Wendungen, das Tempo ist gemächlich, die Kamera macht nicht mehr als nötig. Und doch ist es so mörderisch spannend. Besonders das Ende ist überraschend, radikal und bitter. Fazit: Regisseur Chabrol spielt wieder mit seinem Lieblingsmotiv: dem Bösen hinter gutbürgerlicher Kulisse. Das flüssige Spiel der Akteure, eine beschwingte und dadurch doppelbödige Musik und eine sehr real wirkende Umgebung machen den Film zu einem ernsthaften Thriller mit hohem Unterhaltungswert. Atmosphärisch, einfallsreich gestrickt und spannend.

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