Amores perros Stream Deutsch

Was ist Liebe?
Amores perros
Mexico City: Bei einem tagtäglichen Autounfall treffen die unterschiedlichsten Individuen aufeinander. Alle sind auf der Suche nach dem Glück. Da ist das Topmodel Valeria, die den Verleger Daniel dazu bringt seine Familie zu verlassen. Dann ist da der arbeitslose Octavio, der mit Hundekämpfen an Geld kommen will um mit seiner Schwägerin durchzubrennen. Außerdem ist da noch Ex-Professor El Chivo, der als Auftragskiller durch die Stadt zieht...

Reviews

Kalla Malla
Um sein gewaltiges Drama um drei Menschenschicksale im modernen Sodom namens Mexico City so eindringlich wie möglich zu gestalten, bedient sich Regisseur Alejandro González Inárritu einer komplexen, episodenhaften Erzählstruktur, die mehrere Ebenen überlagert, und sich kaum den zeitlichen Konventionen des filmischen Berichtens unterwirft. Octavio, den ersten Part der Geschichte bildend, der zusammen mit einem Freund seinen Hund an brutalen Hundekämpfen teilnehmen lässt, um sich somit das Geld zu verdienen, das er benötigt, um mit seiner gepeinigten, hochschwangeren Schwägerin durchzubrennen, repräsentiert nicht nur die gebeutelte Unterschicht der Megastadt, sondern ist auch Inbegriff einer gewissen Ambivalenz, die sich im Betrügen seines Bruders und der Gewalt aber auch in der Aufopferung und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ausdrückt. So schreckt Octavio zwar nicht davor zurück, für sein Geld auch zu töten, tut dies aber letztlich doch nur in seiner hoffnungsvollen Naivität und wird letztlich das Opfer seiner eigenen Tagträume. Valeria, deren Leben in der zweiten Episode geschildert wird, hingegen lebt auf der Sonnenseite des Daseins, ist ein reiches Model, hat eine fantastische Wohnung und einen sie umsorgenden Freund. Ihr Wagen kollidiert aus einem Zufall heraus mit dem von Octavio als dieser zusammen mit seinem Freund und dem von einem Konkurrenten angeschossenen Hund vor selbigem in wilder Fahrt flüchtet. Für Valeria hat der Unfall tragische Folgen: Ihr rechtes Bein wird so schwer verletzt, dass sie vorerst an den Rollstuhl gefesselt ist, unfähig, ihrem Beruf nachzugehen. Vorerst kommt sie mit dem Problem recht gut klar und ist zuversichtlich, bald wieder normal leben zu können, aber als dann auch noch ihr über alles geliebter Hund in einem aufgerissenen Loch im Parkettfußboden ihrer Wohnung verschwindet, bricht für sie die Welt zusammen und sie steigert sich dermaßen in die Begebenheit mit ihrem Hund hinein, dass es sie praktisch in die vollkommene Verzweiflung führt. Als dritter Part des Filmes wird die wahrscheinlich interessanteste, komplexeste aber auch schwierigste Figur des Filmes behandelt: El Chivo. Ein alter Mann, ein früherer Revolutionär, der, fernab jeglicher idealistischer Illusion, zusammen mit seinen Hunden auf der Straße lebt und als Auftragskiller das Geld verdient, das er für sich und vor allem für seine Tiere braucht. In einem Subplot wird deutlich, dass er seinen ganzen Lebensmut an einem treffen mit seiner Tochter festmacht, die von ihrer Mutter in den Glauben versetzt wurde, er sei schon längst tot. So setzt er all seinen Mut daran, einmal nur mit ihr sprechen zu können und so den omnipräsenten Tod seiner Alltagswelt abschütteln zu können, was in einer unglaublich ergreifenden, unspektakulär genialen Szene gipfelt. El Chivo ist das Symbol der fast verlorenen Hoffnung, die Kulmination und finale Entwicklung der beiden ersten Erzählparts und die letzte Instanz einer kontinuierlichen dramaturgischen Steigerung. »Amores Perros« kann man mit einem Wort beschreiben: Grandios! Der Film wurde überall als Wachablösung für »Pulp Fiction« als bester Episodenfilm angekündigt. So weit würde ich zwar nicht gehen, aber in Punkto Aussagekraft und Brutalität schlägt er das Vorbild um Längen. Die emotional tiefgreifende Geschichte wirkt wie eine soziale Studie von verliebten Menschen in Extremsituationen. Die Kameratechnik und der Schnitt greifen dabei wie Zahnräder ineinander und unterstützen den fast Dokumentarfilmartigen Hauch des Filmes. Dabei sind alle drei Episoden geschickt miteinander verwebt worden. Trotz der komplexen Handlung, und der komplizierten Erzählstruktur ist der Film nicht so schwer anzusehen wie »21 Gramm«. »Amores Perros« ist brutal und unbarmherzig. Ein Happy End wird keinem vergönnt. Alle Protagonisten erfahren aus nächster Nähe wie viel Leid die Liebe, bzw. der Verlust dieser mit sich bringen kann. Dabei setzt Alejandro González Iñárritu auf gut ausgearbeitete, vielschichtige Charaktere, die glaubhaft erscheinen und von sehr guten Darstellern verkörpert werden. Das Highlight des Films ist zweifellos der skurrile El Chivo, der zwar ohne zu Zögern einen Menschen töten kann, aber nicht im Stande ist einen Hund umzubringen. El Chivo wird grandios von Emilio Echevarría verkörpert, der uns die Rolle des komplexen Hundeliebhabers, der eigentlich nur seine Familie zurück will sehr gut ins Herz spielt. Generell sind Hunde eine wichtige Komponente des Films. Sie stehen den Protagonisten treu zu Seite und dienen ihnen als Freunde in einer Notlage. Octavio muss seinen Hund bei Hundkämpfen einsetzen, um seiner Liebe eine Zukunft zu ermöglichen. El Chivos einzige Freunde sind Hunde, die er auf der Straße aufsammelt und gesund pflegt. Valeria dreht fast durch als ihr treuer Schoßhund nicht mehr auftaucht. Diese ganzen Szenen weißen den Hunden eine beinahe so große Bedeutung wie den Menschen zu. Auf diese Weise wollte uns Alejandro González Iñárritu vielleicht zu denken geben, dass wir die Natur als mehr als nur den Menschen sehen sollten, sondern auch anderen Lebewesen mehr Zuwendung schenken sollten. »Amores Perros« ist technisch brilliant gedreht und besitzt künstlerischen Wert. Die Aussage des Films gibt wirklich zu denken und die fantastischen Charaktere tun ihr übriges um den Film zu perfektionieren. Der Film hält einen Spiegel vor unsere Gesellschaft und zwingt uns in unsere tiefsten Abgründe zu sehen. Ein Meisterwerk! Der ganze Film ist eine Ballade aus Liebe, Hass und Verzweiflung die des öfteren näher zusammenliegen als man es zu erst vermuten würde. Alejandro González Iñárritu legte hier den Grundstein den er für »21 Gramm« weiter ausgebaut hat: Er setzt auf absolut realistische Charaktere, verzichtet gänzlich auf Pathos und Zeigefingermoral und verleiht seinen Charakteren Tiefe, ohne jemals in eine Art von Schwarz-Weis Kontrast zu geraten. Es folgen alle Figuren einem aus ihrer Sicht vernünftigen Muster und besitzen keinesfalls nur gute, oder nur böse Eigenschaften. Dies verleiht dem Film zusätzlich Realismus und verdichtet die ohnehin schon enorme Atmosphäre noch zusätzlich. Der Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist ähnlich wie in »21 Gramm« ein Autounfall, der das Leben aller Beteiligten für immer verändert und die drei Storyfäden miteinander verknüpft. Dabei ist es sicher nicht zufällig das Alejandro González Iñárritu ein katastrophales Ereignis wählt um die Handlungen zu verbinden. Wie uns die Geschichte gelehrt hat bedarf es zuerst einer Katastrophe um die Menschen zueinander zu bringen . Dabei bleibt die Geschichte über die volle Spielzeit außerordentlich spannend und lässt nicht ein einziges Logikloch aufreißen. Die Story wird ausschließlich aus den Augen der Hauptprotagonisten erzählt. Auf Nebenfiguren wird so gut wie gar nicht eingegangen. Dies bewirkt eine große Verbundenheit des Zusehers mit den Hauptfiguren, und gleichzeitig lässt es eine unglaublich Charaktertiefe zu. Es wird sich sehr viel Zeit für die Entwicklung der Charaktere genommen und somit die soziale Aussage durch konkrete Analysen untermauert. Alejandro González Iñárritu zeigt nichts was den Hauptfiguren egal wäre. So verzichtet er zum Beispiel darauf das Schicksal der beiden Brüder zu zeigen die El Chivo gegeneinander antreten lässt. Da es ihm egal ist was mit ihnen passiert und er sich nur um seine Tochter kümmert, wird die Geschichte auch in diese Richtung weitergelenkt. Fazit: »Amores Perros« ist ein exzessiver, bissiger und bildgewaltiger Film über das Leben und Überleben im Großstadtmoloch der Metropole Mexico City von geradezu hypnotischer Wirkung. Wie in seinem neuen Film »21 Gramm« gelingt es dem Regisseur auch hier, in kunstvoll verschachtelten Episoden die Seelenlandschaften seiner Protagonisten und der Stadt, in der sie leben, einzufangen und den Zuschauer vollkommen zu fesseln. Zusammengehalten durch einen Unfall und durch die Hunde ahnt der Zuschauer schnell, wer die wahren Tiere sind – die Menschen. Cave canem!

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