The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit Stream Deutsch

"Ein kongenial inszeniertes, hypnotisch-bewegendes Drama."
The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Drei Zeitperioden, drei Frauen, drei Geschichten, die auf eigenartige Weise durch das Buch "Mrs. Dalloway" miteinander verknüpft sind. Virginia Woolf, die berühmte Schriftstellerin, kämpft in einem Londoner Vorort gegen ihre kranke Psyche. Aber heute wird sie dennoch schreiben: die Anfangssequenz ihres bedeutenden Romans und dessen Hauptfigur "Mrs. Dalloway". Laura Brown fristet ein Dasein, das nur noch von der Macht der Gewohnheit bestimmt wird. Statt an diesem Tag ihrem Mann zu seinem Geburtstag das Frühstück zu bereiten, liest sie lieber in ihrem Buch "Mrs. Dalloway". Gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrer Nachbarin durchlebt sie einen Tag, der ihr endgültig die Augen öffnet. Clarissa Vaughan will für ihren alten Freund Richard, einen begnadeten, an AIDS leidenden, Dichter, eine Überraschungsparty organisieren. Doch als "Mrs. Dalloway" - wie Richard seine Freundin nennt - kommt, um ihn abzuholen, ist Richard bereit, für sie zu sterben.

Reviews

Kalla Malla
_The Hours_ basiert auf Michael Cunningham's gleichnamigen Roman. Die Handlung des Romans ist wiederum maßgeblich von Virginia Woolf`s „Mrs. Dalloway“ beeinflußt, der Cunningham viel Respekt zollte. Virginia Woolf's Selbstmord am 28. März 1941 in England (Sussex), dient dem Film als Rahmen seiner Erzählung und nimmt auf diese Weise nicht nur Woolf's Freitod vorweg, sondern definiert darüber hinaus das Thema des Films: Suizid – aus der Perspektive von Virginia Woolf. In drei verschiedenen, aber durch den Roman „Mrs. Dalloway“ eng verwobenen Handlungssträngen, erzählt der Film jeweils einen entscheidenden Tag im Leben dreier Frauen. Jeder Tag beginnt mit dem Aufwachen. Und folglich wird die Verbundenheit der drei Erzählebenen durch zahlreiche Überblendungen in den ersten Minuten des Films – nach dem Erwachen der Protagonisten – verdeutlicht. Die Überblendungen vermitteln ihre Gemeinsamkeit durch das allmorgentliche Ritual des Weckerklingelns, dem Gesicht waschen, dem Zurechtrücken der Blumenvasen und dem Beginn der Arbeit – und den auffällig positiven Erwartungen an diesen Tag: „heute ist ein herrlicher Tag“ oder „was für ein wundervoller Morgen“. Auch die emotionsgeladene Filmmusik von **Philip Glass** – eine Mischung aus Klavier- und Streichmusik – verbindet die Handlungsstränge miteinander, weil in allen Erzählebenen nur Variationen des gleichen Themas gespielt werden. Da sie nie melancholisch wird, besteht ihre Aufgabe außerdem darin, die Botschaft des Films deutlicher werden zu lassen: Suizid ist keine Tragödie, sondern eine Entscheidungsoption. 1. Handlungsstrang: Richmond, England 1923 (Virginia Woolf – **Nicole Kidman**) 2. Handlungsstrang: Los Angelos, USA 1951 (**Laura Brown** – **Julianne Moore**) 3. Handlungsstrang: New York City, USA 2001 (**Clarissa Vaughan** – **Meryl Streep**) **Richmond, England 1923 – Virginia Woolf (Nicole Kidman)** Wer wie ich die Biographie von Virginia Woolf nicht kannte, sollte wissen, daß sie vor 1923 bereits zwei gescheiterte Selbstmordversuche hinter sich hatte und daraufhin mit ihrem Mann – der für sie eine Druckerei gründete, in der sie ihre Bücher verlegen konnte, von London nach Richmond gezogen war. Aber geheilt von ihren psychischen Problemen war Virginia noch immer nicht – das ist der Moment, an dem die Handlung des Films beginnt. Virginia ist mit dem Verfassen ihres Romans Mrs. Dolloway beschäftigt. Es ist dieser Tag, an dem sie beschließt, daß ihre Hauptperson letztendlich Selbstmord begehen wird – „der Tod ist eine Möglichkeit“. Nachdem ihre Schwester nach einem kurzen Besuch wieder abgereist ist, versucht Virginia von Richmond nach London zu reisen oder gar zu fliehen – wird jedoch von ihrem liebevollen und wohlwollenden Ehemann Leonard (Stephen Dillane) am Bahnsteig davon abgehalten. Daraufhin folgt ein Dialog, der nicht nur die Botschaft des Films auf den Punkt bringt, sondern auch durch emotionale Intensität glänzt: Virginia: ... Mein Leben ist mir weggenommen worden. Ich wohne in einer Stadt, in der ich gar nicht wünsche zu wohnen. Ich führe ein Leben, das ich gar nicht wünsche zu leben. Wie konnte das bloß geschehen? Es ist an der Zeit. Wir müssen wieder zurück nach London ziehen. Ich vermisse London. Ich vermisse das Leben in London. Leonard: Das sind nicht deine Worte Virginia. Das ist ein Aspekt deiner Krankheit. Das bist nicht du. Virginia [fällt Leonard ins Wort]: Das sind meine Worte. Es ist meine Stimme. Leonard: Das ist die Stimme, die du hörst. Virginia: Das ist sie nicht! Es ist meine! Virginia[steht auf und schreit Leonard an]: Ich sterbe in dieser Stadt! Leonard: Wenn du einen klaren Gedanken fassen könntest, würdest du dich daran erinnern, daß London dich krank gemacht hat. Virginia: Was sagst du? Einen klaren Gedanken? Was – einen klaren Gedanken? Leonard: Wir haben dich nach Richmond gebracht, damit du deinen Frieden hast. Virginia: Bei klaren Gedanken, Lenard, da würde ich dir sagen, daß ich mit mir ringe – allein, in der Dunkelheit, in tiefster Nacht, daß nur ich allein wissen kann, daß nur ich - allein - meinen Zustand verstehen kann. Du lebst mit der Bedrohung, sagst du. Du lebst mit der Bedrohung meines Verlöschens? Lenard, auch ich lebe damit. Das ist aber mein Recht. Es ist das Recht eines jeden Menschenwesens. Ich entscheide mich gegen die Vorstädte und ihre erstickende Betäubung. Ich will die ungeheure Kraft der Hauptstadt. Das ist meine Entscheidung. Der niedrigsten, der unbedeutendsten Patientin wird irgendwann ein gewisses Mitspracherecht bei ihrer Behandlung zugestanden. Darüber definiert sich ihr Menschsein. Ich wünsche mir um deinetwillen in dieser Abgeschiedenheit mein Glück finden zu können. Aber wenn ich nun sagen müßte, entweder Richmond oder der Tod, sagte ich der Tod. Leonard: Dann eben London, nun gut. Wir gehen zurück nach London.[/I] **Los Angelos, USA 1951 – Laura Brown (Julianne Moore)** Laura ist Mutter von Richard, erneut schwanger und wird von ihrem Mann Dan sehr geschätzt und geliebt. Sie ist äußerst unzufrieden mit ihrem Dasein – die Unsicherheit in ihrem Verhalten hat nicht nur Julianne Moore durch ihre Mimik und Sprechweise überzeugend vermittelt, sie wird auch durch die immer wieder angedeutete Überlegenheit ihres fünfjährigen Sohnes deutlich. Die Bedeutung der Szene in der Laura unangemeldet Besuch von Kitty bekommt hat sich mir im Kontext des Films nicht erschlossen, dennoch ist dies eine bemerkenswerte Szene: die nach außen hin selbstbewußt auftretende Kitty kommt und verläßt Laura Brauns Haus in der Höchstform ihrer gespielten Selbstsicherheit – doch fällt ihre Fassade zunehmend, ist am Tiefpunkt als Laura Kitty küßt und wird dannach wieder vollends aufgebaut, um wieder in die Welt hinaus treten zu können. Laura beschließt aufgrund ihrer Lektüre von Mrs. Dalloway ihrem Leben mit Schlaftabletten ein Ende zu setzen - trotz ihrer Schwangerschaft, ihrem fünfjährigem Sohn, den sie zu diesem Zweck bei einer Bekannten unterbringt [ihre Mimik als sie ihn verläßt ist umwerfend], und ihrem sie liebenden Ehemann Dan. Selbst in diesen Szenen scheint ihr Sohn Richard ihr überlegen, da er ihre Absicht zu erahnen scheint. Laura entscheidet sich letztendlich anders – sie entscheidet sich für das Leben. **New York City, USA 2001 – Clarissa Vaughan (Meryl Streep)** Laura Braun's Richard (Ed Harris), inzwischen um die fünfzig Jahre alt, leidet an AIDS, hat einen Roman geschrieben und soll den Carruthers-Preis für sein Lebenswerk bekommen – an diesem Tag. Clarissa, Richards Jugendliebe, die für ihn aus diesem Anlaß eine Party organisiert, führt eine nicht zufrieden stellende lesbische Beziehung mit Sally. Deshalb ist Richard, den sie anscheinend jeden Morgen besucht zu ihrem Lebensinhalt geworden - nämlich sich um ihn zu kümmern. Clarissa Vaughan wird von Richard Mrs. Dalloway (so wie Woolfs Hauptfigur ebenfalls Clarissa heißt) genannt, weshalb ich diesen dritten Erzählstrang als Realisierung von Woolfs Roman Mrs. Dalloway betrachte, der im ersten Strang verfaßt und im zweiten von Laura Braun lediglich gelesen wurde. Richard, der sehr unter seiner Krankheit leidet, macht Clarissa bei ihrem morgentlichen Besuch deutlich, daß er es gesundheitlich nicht schaffen wird auf der Party zu erscheinen und stellt gleichzeitig Clarissa's Lebensführung und die Fortsetzung seines eigenen in Frage: - „Oh Mrs. Dalloway. Ständig feierst du Parties, damit du die Stille nicht hörst.“ - „Wärst du mir böse, wenn ich sterben würde?“ - „Ich will sagen, daß ich wohl nur noch am Leben bin, um dich zufrieden zu stellen.“ Richards Vorwurf trifft nicht nur ins Schwarze, sondern verletzt auch ihre Gefühle sehr – sie ist glücklich, wenn sie bei Richard ist oder mit ihrer Tochter Julia (**Claire Danes**) zusammen sein kann, sonst nicht – auch nicht mit Sally. Richard begeht letztendlich wie Virginia Woolf Selbstmord. Diese Szene ist trotz Richard`s Ankündigung emotional ergreifend und behält auch beim wiederholten Ansehen ihre emotionale Intensität – Fassungslosigkeit, Ungläubigkeit, aber auch Machtlosigkeit, die durch die Rolle als Zuschauer verstärkt wird, da man als solcher den Ereignissen eines Films immer machtlos gegenüber steht. Auf diese Weise steht Clarissa einer Neugestaltung ihres Lebens gegenüber, aber das ist nicht das Thema des Films, auch wenn angedeutet wird, daß ihre Beziehung zu Sally gestärkt wird. Richards Mutter, Laura Braun, besucht nach dem Tod ihres Sohnes Clarissa – sie hatte sich für das Leben entschieden, jedoch ihre Familie nach der Geburt des zweiten Kindes verlassen. Laura Brown urteilt über sich selbst: - „Etwas schlimmeres kann eine Mutter nicht tun.“ - „Niemand wird mir je vergeben.“ Dennoch bereut sie ihre Entscheidung nicht: „Was heißt schon man bereut etwas, wenn man keine andere Wahl hat. Es geht darum, was man ertragen kann.“ Der Rahmen wird geschlossen: Virginia verabschiedet sich von Lenard mit einem Brief und vom Leben. Der dem Zuschauer durch inneren Monolog vermittelte Inhalt des Briefes ist am Ende des Films genauso ergreifend, wie zu Beginn des Films, weshalb ich den Abspann immer laufen ließ, um dem Brief als auch den gesamten Film zu verarbeiten. Fazit: Ein Film von starker emotionaler, aufwühlender Intensität, die wohl vorallem der vorbildlichen schauspielerischen Leistung der Hauptakteure und der paßenden musikalischen Untermalung zu verdanken ist. Ein Film, der nicht nur Fragen aufwirft, sondern Position bezieht und den „Tod als Möglichkeit“ verteidigt. Die Frage, ob das eigene Leben noch ertragbar ist, hängt eng mit der Frage nach dem Sinn des Lebens zusammen – man wird gezwungen über sein eigenes Leben nachzudenken und zu prüfen, inwiefern man sein Leben tatsächlich selbst gestaltet und wie man es besser gestalten könnte, anstatt nur zu existieren. Das ist eine berechtigte und harte Frage – daher wohl auch die Intensität des Films.

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