Dark Shadows Stream Deutsch

Jede Familie hat eine Leiche im Keller.
Dark Shadows
Im Jahr 1752 stechen Joshua und Naomi Collins mit ihrem kleinen Sohn Barnabas im englischen Liverpool in See, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Doch selbst auf den Weiten des Ozeans gelingt es ihnen nicht, dem geheimnisvollen Fluch der Familie zu entkommen. Zwei Jahrzehnte später: Barnabas erobert die Welt oder doch zumindest das Städtchen Collinsport/Maine. Als Herr von Collinwood Manor verfügt Barnabas über Reichtum und Macht - bis der unverbesserliche Frauenheld den gravierenden Fehler begeht, Angelique Bouchards Herz zu brechen. Angelique ist eine Hexe im wahrsten Sinne des Wortes und beschert ihm ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod: Sie verwandelt ihn in einen Vampir, um ihn dann lebendig zu begraben.

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Kalla Malla
Mitte des 18. Jahrhunderts bricht Joshua Collins (Ivan Kaye) mit Gattin Naomi (Susanna Cappellaro) und Sohn Barnabas (Thomas McDonell) in die Neue Welt auf, um dort sein Glück zu machen. Tatsächlich gelangt die Familie bald zu Wohlstand, der dem erwachsenen Barnabas (Johnny Depp) dabei hilft, hübsche Frauen gleich reihenweise zu verführen, doch dann gerät er an die Falsche: Als er Angelique Bouchard (Eva Green) den Laufpass gibt, rächt die sich auf grausame Weise: Sie ist nämlich eine Hexe und verwandelt ihn in einen Vampir, um ihn dann lebendig zu begraben. Nach über 200 Jahren wird Barnabas unbeabsichtigt aus seinem Grab befreit, doch er muss feststellen, dass das einst prunkvolle Collinwood Manor mittlerweile verfallen ist. Beherrscht wird die Familie inzwischen von Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer), deren Mann unter mysteriösen Umständen verschwand. Sie hat mit Carolyn (Chloë Grace Moretz) eine ziemlich verwöhnte Tochter und liebt Nesthäkchen David (Gulliver McGrath) über alles, der allerdings seinem Kindermädchen Victoria Winters (Bella Heathcote) arg zu schaffen macht. Im Haus wohnt außerdem noch Elizabeths missratener Bruder Roger (Jonny Lee Miller) und ihre ständige Therapeutin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter), die droht, hinter Barnabas' Geheimnis zu geraten, jedoch auch sie kann seinem Charme nicht lange widerstehen. Nicht nur für ihn gilt es die düsteren Mysterien zu ergründen, die sich über die Jahrhunderte in seiner Familie aufgehäuft haben... Regie-As Tim Burton versucht sich in seinem neuesten Werk an einem Remake der Gothic-Seifenoper »Dark Shadows«, die im US-amerikanischen TV von 1966 bis 1971 mit großem Erfolg gelaufen ist. Die in den Nachmittagsstunden vom Sender ABC ausgestrahlte Serie entwickelte sich schnell zum Publikumshit und hat heute so etwas wie einen Kultstatus erreicht. Burton sagt selber, daß er in seiner Jugendzeit ein großer Fan der Serie war, die hier in Deutschland erst spät in den 90er Jahren bekannt wurde. Mittlerweile ist es nach in letzter Zeit eher mäßigen Erfolgen Zeit geworden, daß Burton mit »Dark Shadows« wieder zu seinen filmischen Wurzeln zurückkehrt. Im bereits achten Film mit Johnny Depp verbindet beide eine düster-schaurige Optik und detailverliebte Settings und Ausstattungen mit abgedrehten, schrägen Charakteren. Das spiegelt sich in einer extrem unterhaltsamen Mischung aus Horror-Mär und komödiantischen Elementen, angereichert mit viel Ironie und Slapstick. Nicht von ungefähr erinnert »Dark Shadows« an Burtons vorangegangene Erfolge »Beetlejuice« und »Sleepy Hollow«. Die Hauptrolle kann natürlich nur einer verkörpern, nämlich Burtons Haus- und Hofhauptdarsteller Johnny Depp, dem es sein kindlichster Wunsch war, ein einziges Mal in seinem Leben die Hauptfigur der Serie, Vampir Barnabas Collins, spielen zu dürfen. Depp hat sich dann derart in das Projekt vernarrt, daß er spontan auch die Rechte für die Produktion übernahm. Das Filmstudio Warner Brothers sorgte schon 2007 dafür, die Rechte der Verfilmung als ihr eigen zu nennen, aber die ursprünglichen Drehbuchautoren stiegen aus dem Projekt aus und Johnny Depp kann erst jetzt als Vampir auf der großen Leinwand seinen Blutdurst stillen. Burton lässt auf herrlich skurille Art den 200 Jahre lang vergrabenen Vampir Barnabas Collins im Jahre 1972 auf seine verschrobenen Nachfahren treffen, welche so rein gar nichts mehr gemein haben wollen mit der früheren Familie des Vampirs. Zum einen gibt es da das gestrenge Familienoberhaupt Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer), die mit der letzten ihr verbliebenen Energie das alte Familienanwesen vor dem Verfall bewahren und die Familie zusammenhalten will. Das allerdings reichlich überfordert und verbittert. Dann haben wir da noch ihren nichtsnutzigen Bruder Roger (Jonny Lee Miller), welcher mit seinem zehnjährigen Sohn David so seine Probleme hat, als dieser sich einbildet, den Geist der vor Jahren verstorbenen Mutter sehen zu können. Um dem Sprößling von seinen Visionen zu befreien, bleibt der Familie nichts anderes über, als die alkoholerprobte, schräge Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Burton-Frau Helena Bonham Carter) zu engagieren, die sich schon bald mehr für Barnabas Blut als die Therapierung von David interessiert. Und last not least gibt's dann da auch noch die aufmüpfige, rebellische Teenie-Tochter Carolyn (Chloe Grace Moretz), die Barnabas Tipps über die holde Weiblichkeit verschafft und ihn musikalisch in die Welt von Schock-Rocker Alice Cooper einführt. Und genau diese nicht alltägliche Familie mit ihren unterschiedlichen Akteuren und deren individuellen Wesenszügen und Eigenarten macht den großen Reiz dieses Films aus. Ähnliche Gruselfamilien, wie »Die Monsters« oder »Die Addams Family« (ebenfalls Lieblingsserien von Burton) lassen grüssen. Die Gemeinsamkeit zu diesen beiden Serien liegt in den abnormen Verhaltensweisen der Familienmitglieder, welche für etliche amüsante und komische Momente sorgen. Burton schart eine ganze Reihe von Publikumsmagneten um sich: von Michelle Pfeiffer und Helena Bonham Carter über Christopher Lee (in einer kleinen Nebenrolle als Fischer) und Chloe Grace Moretz (bekannt aus »Hugo Cabret«) bis hin zu Eva Green, die sich als sinnlich-verführerische, exzentrische Hexe Angelique Bouchard ordentlich austoben darf und sich dabei als Idealbesetzung erweist. Das 'Enfant Terrible' des Films ist, wie es wohl auch nicht anders zu erwarten war, Johnny Depp als sympathischer, liebenswürdiger Vampir, der sich mit den Gepflogenheiten der 70er-Jahre erst vertraut machen muss. Der Film hält sich hier ganz eng an die Vorlage, wenn Vampir Barnabas in die Gepflogenheiten der frühen 70er-Jahre eingeführt wird. Dazu gehören Musik, Happenings, Fast-Food-Ketten etc., die für viele originelle und heitere Momente im Film sorgen. Dabei kommt das Ganze in seiner Gesamtheit bei weitem nicht so seicht und abgedroschen daher, wie der Trailer befürchten ließ. Der Film lebt von seiner finsteren, opulenten Ausstrahlung, die auch dann nichts von ihrem Gothic-Touch verliert, wenn die 70-Jahre mit ihrem Glitzer, Glanz und ihrer Farbenpracht visuell Einzug halten. Die glamourösen Farben bilden einen reizenden Kontrast im Gegensatz zu den düsteren Bildern, die sich beide in etwa die Waage halten. Das Ganze gipfelt in einer Symbiose aus Burton-typischer Horror-Optik und (dezent gehaltenem) buntem 70er-Jahre-Look. Dadurch wirkt der visuelle Aspekt dieses Films äußerst reizvoll. Mit viel Liebe zum Detail entwirft Burton eine facettenreiche 70er-Jahre-Aura welche der Zuschauer im Blickfeld des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Vampirs erleben und erkunden darf. Den damaligen Zeitgeist und das Lebensgefühl spürt man auch deutlich durch die musikalische Untermalung des Films, wo ausgewählte Songs von Künstlern wie Alice Cooper, T-Rex, Barry White etc. die Handlung in den 70ern vorantreiben. Das Finale erlebt man dann in einem effektreichen Action-Feuerwerk, wenn es auf dem Anwesen der Familie zum alles entscheidenden Showdown zwischen Barnabas und Angelique kommt. Dabei werden Erinnerungen an ähnlich geartete Filme, wie Danny de Vitos »Der Rosenkrieg« und »Der Tod steht ihr gut« von Robert Zemeckis wach. Nachdem Burton mit »Dark Shadows« – vor allem visuell – wieder zu seinen filmischen Anfängen zurückkehrt, können seine Fans befreit aufatmen, da sein knallbunter, überdrehter Vorgängerfilm »Alice im Wunderland« 2010 wohl die wenigsten zufrieden stellte. Fazit: Mit dem Remake »Dark Shadows« kehrt Regisseur Tim Burton zurück zu seinen Wurzeln und zeigt ein atemberaubend produziertes Gruselmärchen, welches wegen der Besetzung und dem coolen Soundtrack zum humorvollen Leckerbissen wird. Die verschrobenen Charaktere und die gelungene Mischung aus psychedelischer 70er-Jahre- und düsterer Horror-Optik tragen entscheidend zum Gelingen des Films bei.

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