Edgar Wallace - Die seltsame Gräfin Stream Deutsch

Edgar Wallace - Die seltsame Gräfin
Margaret Reedle hofft, mit der neuen Stelle bei der Gräfin Moron den unerklärlichen Drohanrufen und Mordanschlägen auf sie zu entgehen. Diese Hoffnung schwindet allerdings schnell, denn als sie im Schloss den Balkon ihres Zimmers betritt, bricht dieser ab. Margaret kann sich allerdings in letzter Sekunde vor dem Sturz in die Tiefe retten. Bei seinen Ermittlungen entdeckt Mike Dorn von Scotland Yard, dass Margaret die Tochter Mary Pinders ist, die damals den Bruder der Gräfin geheiratet hat. Margaret hat damit Anspruch auf das Erbe und schwebt in großer Gefahr...

Reviews

Kalla Malla
In der Hoffnung, den anonymen Morddrohungen zu entgehen, denen sie in letzter Zeit ausgesetzt war, nimmt die junge Margaret Reddle eine Stelle als Sekretärin bei Lady Moron an. Bevor sie aber ihre neue Arbeit antritt, holt sie die wegen Mord verurteilte Mary Pinder aus dem Gefängnis ab und fährt mit ihr zu Lady Morons Schloß. Die alte Dame kümmert sich um entlassene Sträflinge und lädt sie zu sich ein. Begleitet wird Margaret von Detektiv Mike Dorn, der die Morddrohungen untersucht. Nachdem Margaret entführt und von Dorn wieder befreit wird, klärt sich abschließend die ganze Geschichte vor versammelter Runde im Schloß. Mary Pinder ist in Wahrheit Margarets Mutter und zugleich die Schwägerin der seltsamen Gräfin Moron, die durch Margaret ihren Anspruch auf das Familienvermögen bedroht sah. Nachdem durch Mike Dorn alle Zusammenhänge aufgeklärt worden sind, nimmt sich die alte Dame das Leben. Regisseur Josef von Bakys Verfilmung von Edgar Wallace's Roman »Die seltsame Gräfin« (»The Strange Countess«) wird von Anfang bis Ende von Lil Dagover getragen, die eine äußerst bemerkenswerte Interpretation der Rolle der Gräfin Leonora Moron gibt. Ihre Mitwirkung hebt den Film, der zum Teil von ärgerlichen Klischees und Ungereimtheiten geprägt ist, über das durchschnittliche Niveau der frühen Rialto-Krimis weit hinaus. Die prononcierte Ausdrucksweise der zur Entstehungszeit des Films 64jahrigen Schauspielerin, adeliger Gestus bis in die kleinste Bewegung und eine Haltung würdevoller Unnahbarkeit, die die »seltsame Gräfin« selbst als überführte Mörderin noch zur Schau trägt - Lil Dagover bleibt auch bei Edgar Wallace eine Tragödin der Bühne. Ihre unsichtbare Präsenz auch in Szenen, die von anderen Darstellern bestritten werden, läßt den eigentlichen Kriminalfall, um den es geht, zweitrangig erscheinen und ihre Schauspielerkollegen neben ihr verblassen, die sich für »Die seltsame Gräfin« in zahlreicher Prominenz eingefunden haben: Brigitte Grothum, später noch in »Das Gasthaus an der Themse« zu sehen, spielt Margaret Reddle, das Opfer eines abgefeimten Komplotts. Rudolf Fernau und Richard Häußler sind als zwielichtige Gestalten an dem üblen Spiel beteiligt, das mit ihr getrieben wird, und Joachim Fuchsberger als Mike Dorn ist mehr als einmal der Retter in der Not. Fritz Rasp spielt den undurchsichtigen Rechtsanwalt Shaddle,von dem man nicht weiß, auf wessen Seite er steht, und Eddi Arent mimt den erfindungsreichen und theaterbesessenen jungen Lord Selwyn. Sie alle haben es schwer, sich neben der charismatischen Ausstrahlung der Dagover zu behaupten. Überdies ist »Die seltsame Gräfin« kein Kriminalrätsel im herkömmlichen Sinn. Die Fronten zwischen Gut und Böse sind relativ eindeutig erkennbar, und die Story selbst - junge Erbin wird in das Irrenhaus eines korrupten Arztes entführt, wo sie mit Psychoterror gefügig gemacht werden soll - wurde sechs Jahre später in »Die blaue Hand« von Alfred Vohrer weitaus origineller in Szene gesetzt. Die bedrohliche Atmosphäre des Films geht aber auch nicht zuletzt von Klaus Kinski aus. Er spielt den übergeschnappten Stuart Bresset, dem der Leiter des Sanatoriums, Dr. Tappatt, einredet, er müsse Miss Reddle ermorden, damit sich sein seelischer Zustand bessere. Der Film beginnt mit Bressets wirren Telefonanrufen und kumuliert zuletzt in einer Begegnung der beiden in der Klinik, wo sich Bresset am Ziel seiner Mission angelangt sieht. Dem Nebenschauplatz Irrenanstalt kommt jedoch erst gegen Ende des Films Bedeutung zu; der Hauptteil der Handlung spielt im Schloß der Lady Moron, und diesem Umstand Rechnung tragend ließen die Ausstatter bei der Ausgestaltung der Interieurs des Schlosses besondere Sorgfalt walten. Schon bei der Ankunft Margarets im Schloß spürt man die Bedrohung, die von diesem Haus ausgeht. - Nicht Gags und Überraschungen, sondern diese beklemmende Atmosphäre, nicht waghalsige Gedankensprünge im Drehbuch oder actiongeladene Szenen, sondern der Hauch des Dämonischen, der Lady Moron und ihre Komplizen umgibt, machen den Reiz dieses Kriminalfilms aus. In diesem Sinne hat Die seltsame Gräfin bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Fazit: »Die seltsame Gräfin« mutet zwar in der heutigen Zeit etwas angestaubt an, ist aber durch seine auserwählte Darstellerriege aus alten UFA-Zeiten die sicherlich wertvollste und adligste Verfilmung der gesamten Reihe. Auf spannende Unterhaltung wurde sehr viel Wert gelegt und so konnte sich der Film seinen eigenen Ehrenplatz in der Geschichte der Edgar Wallace-Reihe sichern.

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